Die letzten Jugend-, Un- und Wörter des Jahres litten an einem Mangel an Verbreitung – und damit Relevanz. Bringt der Anglizismus des Jahres eine Trendwende?

Am Jahresende ist wieder Wahlzeit, und mir fehlen die Worte über all die Wörter. Es wird immer rätselhafter. Babo (bedeutet soviel wie Chef oder Anführer) wurde kürzlich Jugendwort 2013. Nahtlos reiht es sich damit in die prämierten Jugendwörter der letzten Jahre ein, Yolo (2012) und Swag (2011)  – eine Jury zeichnete sie aus, doch ob sie irgend jemand benutzte, war nicht so leicht zu verifizieren. Ähnlich war das Problem beim Unwort des Jahres 2012, dem Opfer-Abo, und dem Wort des Jahres 2012, der Rettingsroutine – beide nie gehört. Sie?

Vernachlässigte Verbreitung

Ich glaube, die Kriterien sind das Problem.  Sprachliche Kreativität und Originalität stehen beim Jugendwort des Jahres obenan, heißt es auf der Seite. Erst dann folgen der Verbreitungsgrad und gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse. Die Verbreitung aber gibt der Wahl Relevanz – dass nicht nur obskure Nischen ins Rampenlicht gerückt werden, sondern die Wörter einem angemessenen Teil der Bevölkerung geläufig sind und von ihm benutzt werden. Spiegel-Online hat zwar eilig einen Schulhof-Check nachgeschoben, aber dessen Fallzahl ist minimal und statistisch gesehen willkürlich, und was die Befragten da so von sich geben, klingt alles andere als sattelfest.

Hoffnung auf den Anglizismus des Jahres

Bricht die Wahl zum Anglizismus des Jahres diese Tendenz? Zum Beispiel steht ein Wort zur Wahl, dem ich in dieser Hinsicht einiges zutraue – Selfie. Es steht für ein Selbstbildnis mit dem Smartphone.  Selfie gewann bereits die Wahl in England und wurde kürzlich in das Oxford English Dictionary aufgenommen, berichtet Welt-Online. Das Wort hat das Potential sich auch in Deutschland weit zu verbreiten – weil die Tätigkeit populär ist, weil sie für die Zeit des Ego-Pampering steht, weil es griffig ist und smart klingt. Bald wissen wir mehr – dann wird gewählt. Hier die Nominierungen, und hier der letzte Gewinner.

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