Alle sprechen angeblich toll englisch, aber niemand bedenkt, dass die wörtliche Übersetzung der Anfang aller Sinnentstellung ist. Ein Beispiel aus dem Sport.

(26.9.2013) Ich habe schon öfter darüber gebloggt, wie schädlich, weil sinnentstellend wörtliche Übersetzungen sind. Besonders beliebt sind falsche Freunde, also ein englisches Wort mit einen ähnlich klingenden deutschen zu übersetzen, das aber inhaltlich falsch ist, weil es etwas anderes bedeutet.

Am vergangenen Samstag fand ich dazu einen Beispielfall mit Klassikerpotential: Die Süddeutsche Zeitung berichtete über die Rückkehr Kimi Räikkönens zu Ferrari, und dass  Räikkönen dort wieder auf Fernando Alonso trifft, wegen dem er Ferrari einst verließ. Dann wird Räikkönen so zitiert:

„Ich bin sicher, dass Fernando und ich die Dinge aussortieren können.“

Brüller! Geschäftssprache der Formel 1 ist Englisch, und to sort out wird mit aussortieren übersetzt. Also ich versteh so etwas nicht. Wenn ich so einen Satz lese, müssen doch die Alarmglocken angehen, weil er schief klingt und nur einen vagen Sinn ergibt. So redet doch niemand, und es muss dem Schreiber doch auffallen, dass man Schrauben, alte Bücher oder abgelegtes Spielzeug aussortiert, aber keine Dinge im übertragenen Sinn. Hier handelt es sich doch offensichtlich um Differenzen und Streitigkeiten, die normalerweise ausgeräumt oder geklärt werden. Auch Zeitdruck ist dafür keine Entschuldigung, denn soviel Sprachgefühl und Erfahrung dürfen sein.

Werfen wir einen Blick ins Wörterbuch. Leo gibt zwar auch etw. aussortieren als Grundbedeutung an, nennt dann aber als übertragene Bedeutung bereinigen, in Ordnung bringen, klären. Und so liest es sich dann auch viel besser:

„Ich bin sicher, dass Fernando und ich die Dinge klären können.“

Hier noch ein häufiger falscher Freund, hier etwas Generelles zu den Gefahren wörtlicher Übersetzung.

One Response to Sinnsuche für Sportreporter

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