Wissenschaftler schreiben oft steif und unpersönlich, weil sie es nach wie vor so lernen. Fünf Tipps, wie man seriös und doch locker schreibt.

(14.6.2013) Wissenschaftliche Texte lesen sich oft schlimm. Es wimmelt vor steifem Nominalstil, leblosen Passivkonstruktionen und eingeklemmten Partizipien. Das eigentlich Traurige ist: An deutschen Hochschulen wird dieser Stil nach wie vor empfohlen – wie z.B. an der FU Berlin.

Zwar weist der Verfasser eingangs darauf hin, Wissenschaftstexte sollten möglichst einfach, prägnant und anregend geschrieben sein. Doch dann besteht der größere Teil seiner Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben darin, den Nominalstil zu erklären und Partizipialkonstruktion zu empfehlen.

Er kritisiert etwa einen Satz wie diesen:

„Im letzten Kapitel habe ich die verschiedenen Aspekte dargestellt“.

Der Forscher dürfe nicht in der Ich-Form in Erscheinung treten, die Tatsachen müssten im Vordergrund stehen. Daher sei das Passiv besser:

„Im letzten Kapitel wurden die verschiedenen Aspekte dargestellt.“

An anderer Stelle wird ein aktives Partizip mit eingeklemmtem Objekt empfohlen:

Die dieser Meinung widersprechenden Forscher . . .

Ein Relativsatz löst solche Klemmkonstruktionen leicht auf:

Forscher, die dieser Meinung widersprechen, . . .

Ich kann nur hoffen, dass kein angehender Wissenschaftler diese Anleitung befolgt, befürchte aber, dass es geschieht, weil der Eindruck erweckt wird, ein solcher Stil sei Voraussetzung für wissenschaftliche Anerkennung.

Nach meiner Erfahrung sollten wir uns ein Beispiel am lockeren Stil der Amerikaner nehmen. Anschaulich zu schreiben heißt nämlich nicht, wissenschaftlich unpräziser oder oberflächlicher zu sein, es heißt nur, verständlicher zu sein.

Zum Glück gibt es auch Verantwortliche, die für eine anschauliche und lebendige wissenschaftliche Sprache eintreten. Dazu gehört Valentin Groebner, Professor für Geschichte an der Universität Luzern. Hier seine besten fünf Tipps:

  1. Ballast streichen
  2. Abstraktive Substantive und Passivkonstruktionen vermeiden
  3. Großbegriffe wie „Wissensgesellschaft“ hinterfragen
  4. Schreiber-Arroganz ablegen
  5. Aus dem Versteck hervortreten, als Forscher in Erscheinung treten.

Mehr zum wissenschaftlichen Schreiben? Lesen Sie hier, wie aus „Wie man Dinge mit Wörtern macht“ eine „Theorie der Sprechakte“ wurde.

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