Verständlich zu schreiben, gehört zu den vornehmsten Schreiberpflichten, wird aber nicht durchgehend beherzigt. Was war noch mal ikonografisch?

(4.2.2013) Lesen bildet, vor allem dann, wenn man bei der Zeitungslektüre einem Fremdwort begegnet, das vage geläufig, aber nicht genau klar ist. Dann ergibt sich die günstige Gelegenheit (aber auch die Notwendigkeit), dem Ding auf den Grund zu gehen. Ich leide übrigens nicht allein unter diesem Phänomen, wie die Popularität des Eintrags über kongenial zeigt.

Freitag war es mal wieder soweit. Die Süddeutsche Zeitung macht das Panorama unter der Überschrift Im neuen Gewand mit einer Geschichte über italienische Baudenkmäler auf. Im Intro heißt es:

In Italien spendieren Modeunternehmer Millionensummen, um ikonografische Kulturdenkmäler zu restaurieren. Nicht ganz uneigennützig, versteht sich.

Während ich noch die Frage erwog, ob die doppelte Verneinung nicht, -un am Ende des Intros not tat, setzte ich einen Merkauftrag an meine Datenbank ab: Checken, was ikonografisch bedeutet! Denn der Artikel erklärte es auch nicht; die Kenntnis des Adjektivs erschien jedoch nötig, um zu entschlüsseln, wie die geförderten Kulturdenkmäler sich von denen unterscheiden, die kein Geld erhalten.

Der Sinngehalt alter Bildwerke

Ich schlug im Fremdwörterduden nach. Also: Ikonografie ist

1.

a. Beschreibung, Form- und Inhaltsdeutung alter Bildwerke

b. = Ikonologie, die wiederum die Lehre vom Sinngehalt alter Bildwerke ist.

2. wissenschaftliche Bestimmung von Bildnissen des griechischen und römischen Altertums

Das Adjektiv ikonografisch ist dementsprechend: die Ikonografie betreffend.

Das war ihnen sicher klar?! In einer App könnte man erklärbärmäßig ein Pop-up-Fenster mit der Erklärung aufgehen lassen – s. Rapgenius. Aber für das Druckwerk braucht es den Duden/diesen Blog – und eine Übertragungsleistung. Ich finde den Satz nämlich immer noch merkwürdig, selbst wenn ich die Dudenerklärung einsetze. Sind vielleicht einfach nur Kulturdenkmäler des Altertums gemeint?

In Italien spendieren Modeunternehmer Millionensummen, um Kulturdenkmäler aus dem Altertum zu restaurieren.

Das hätte man gleich verstanden, und Verständlichkeit ist Dienst am Leser, während unbekannte Fremdwörter elitäre Bildungshuberei  oder Gleichgültigkeit sind. Jetzt wird auch die Redundanz der vorigen Formulierung deutlich, denn die Gebäude und Einrichtungen wären keine Denkmäler, wenn sie nicht auch ikonografisch wären.

In einem anderen Eintrag gehe ich der Frage nach, was das ähnlich klingende, gern gebrauchte Adjektiv ikonisch eigentlich ist.

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