Wenn Metaphern keine Bilder mehr auslösen, sondern ausgelutscht sind, wird es Zeit für etwas Neues. Wie aus der Kostenexplosion der Kosten-Tsunami wurde.

(7.6.2012) Von Zeit zu Zeit erhalten langweilige oder abstrakte Sachverhalte neue Metaphern. Wenn man bisher etwa einen exorbitanten (neudeutsch: massiven) Kostenanstieg in einem Vergleich veranschaulichen wollte, griff man übereinstimmend zum Sprengstoff: Eine Explosion ist heftig und richtet großen Schaden an.

Doch Metaphern nutzen sich mit der Zeit ab und müssen ausgetauscht werden. Typisches Symptom: Man hört das Wort, doch es entsteht kein Bild mehr. Sehen Sie es noch blenden, blitzen oder gleißen, spüren Sie den Schmerz des Knalls in den Ohren oder die Wucht der Druckwelle, wenn Sie Kostenexplosion lesen? Zeit für einen Tapetenwechsel! Justus Haucap, der Vorsitzende der Monopolkommission, formulierte Montag in einem FAZ-Interview über die Energiewende, es

rollt ein Kosten-Tsunami auf uns zu.

Das ist der Stoff, aus dem Explosionen sind: Da wirbelt, stürmt und schwappt, braust, heult und tost es vor meinem geistigen Auge doch gleich. Elementare Wucht knickt Bäume, Masten und Hütten um, meterhohe Flutwellen zerstören ganze Dörfer und lassen stinkenden Schlamm in Straßen zurück, wo kurz vorher noch eine trübe Brühe schwappte (und davor paradiesische Zustände herrschten), dazu Schäden in Milliardenhöhe.

Bin gespannt, ob sich der Tsunami durchsetzt. Zahlreiche Medien haben den Begriff in der Berichterstattung über die Aussage Haucaps übernommen. Perspektiv-Frage: Wie lässt er sich in einigen Jahren steigern?

Mehr über Metaphern aus der Welt der Politik? Der Rettungsschirm und die Atempause haben mich zuletzt beschäftigt.

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