Kleine Presseschau: Wie seltsame Zwänge den natürlichen Sprachfluss bremsen.

Titelzeile der AZ: Wir können auch ohne.

(4.5.2012) Merkwürdige Entdeckung gestern in der Abendzeitung. Schwarzarbeit-Report lautet die Zeile. Stummeldeutsch, ohne Fugen-s, das normalerweise gebraucht wird, wenn man zwei Substantive zusammensetzen will: Schwarzarbeitsreport. Wahrscheinlich, weil sie’s in zwei Zeilen gesetzt haben und meinten, so lese es sich besser. Aber dann hätten sie doch auch mit einem Doppelpunkt arbeiten können. Schwarzarbeit: Der Report. Hätte gleichzeitig noch den Anschein von Exklusivität erweckt.

Als „Sklave des Geldes“ . . .

Ungefähr so merkwürdig ist eine Stelle in einem Bericht über MEG, den ehemals größten deutschen Krankenversicherungsvertrieb (noch ein Fugen-s) aus dem Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung vom selben Tag. Da heißt es an einer Stelle, der Erfolg der Firma sei u.a.

durch die Gier eines Narzissten zu erklären, der sich als „Sklave des Geldes“ bezeichnete.

Da bleibt man erstmal stecken, oder? Ich verstehe die Autorin: Sie zitiert einen feststehenden Ausdruck, den sie unter keinen Umständen verändern zu dürfen glaubt. „Sklave des Geldes“. Doch nichts spräche dagegen, die Form zu beugen, wie man es doch auch täte, wenn man darüber redete oder ohne Anführungszeichen darüber schriebe. Als wen bezeichnete sich der Narziss? Als „Sklaven des Geldes“. Würde der Sinn entstellt? Nein. Läse es sich besser? Eindeutig.

. . . stört den natürlichen Fluss.

Warum ich diese beiden Fälle zusammenfasse? Mir geht es nicht darum, dass Regeln gebeugt werden. Sondern darum, wie Schemen den natürlichen Fluss verändern und damit die Verständlichkeit verschlechtern.  Einmal ein Übersichtlichkeits-, einmal ein Zitatzwang – beide unnötig.

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