Wie ein Münchner Edeka-Markt ein kundenfreundliches Schild gegen Falschparker drucken ließ – samt einem verwegenen Komma.

Schild (in München): Wo bitte geht es zum Relativsatz?

(12.4.2012) Ich weiß, dass ich gesagt habe, ich würde mich hier im Blog nicht über Rechtschreibfehler im Handel auslassen. Bei den Einzellpaaren habe ich eine Ausnahme gemacht, doch das war ein hand-geschriebenes Schild: improvisiert und ungeprüft.

Vor dem neu eröffneten Edeka-Markt unweit meines Büros hängt ein Schild, genau genommen mehrere, von denen ich das größte am Lieferanteneingang beispielhaft zeige – s. Foto. Auf ihm prangt einer der kolossalsten Kommafehler der letzten Zeit, weswegen ich eine weitere Ausnahme mache. Unten auf der Tür heißt es fettgedruckt:

Bitte benutzen Sie die, für Sie vorgesehenen Parkplätze in der Tiefgarage.

Das Bemerkenswerte: Obwohl dies Schild gedruckt wurde, also im Laufe eines Gestaltungsprozesses auch dafür freigegeben worden sein muss, hat anscheinend niemand auf Form und Inhalt geachtet. Bzw. wer beides prüfte, stand mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß. Der Lapsus findet sich gleichlautend auf mehreren anderen Schildern in Betonkübeln, die das Grundstück von falsch parkenden Kunden freihalten sollen.

Das Komma kann man hier weglassen; es wird allgemein nicht als Zeilenschaltung gebraucht und wäre hinter die nur dann nötig, wenn es einen Relativsatz einleitet. Zum Beispiel:

Bitte benutzen Sie die Parkplätze, die in der Tiefgarage für Sie vorgesehen sind.

Das wäre – neben der Grundvariante ohne Komma – grammatisch einwandfrei, doch immer noch unvorteilhaft formuliert. Hier wollte jemand besonders höflich sein, aber auch sparen: Wozu einen Texter, wenn ich mich auch so blamieren kann? Dies ist umso bedauerlicher, als sich jemand die Mühe gemacht hat, den Laden ganz romantisch und imagebildend Edeka Isargärten zu nennen.

Die Information, dass Parkplätze vorgesehen wurden, ist nett gemeint, braucht man aber streng genommen nicht. Wie wäre es so?

Bitte benutzen Sie die Parkplätze in der Tiefgarage!

Das wäre kürzer und damit leichter und schneller aufzunehmen. Die sperrige Partizipkonstruktion, die mit dem falschen Komma wohl gegliedert werden sollte, wäre auch umschifft. Dafür steht am Ende ein Ausrufezeichen, damit die Aufforderung deutlicher wird!

(Nachtrag, 26.5.2012) Wie das wilde Komma gezähmt werden konnte – hier.

2 Responses to Wildes Komma wühlt in den Isargärten
  1. […] Im April berichtete ich von einem wilden Komma. Ein nahegelegener Edeka-Markt hatte ein Parkverbotsschild mit verwegener Orthographie aufgehängt. […]

  2. […] So bleibt mir ein leeres Gähnen. Edeka? Da war doch was mit dem wilden Komma. […]


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