(26.2.2012) Die BILD-Zeitung wird viel gescholten, aber manches macht die Redaktion richtig gut. Diesen Mittwoch habe ich mal wieder in eine Ausgabe reingeschaut – und gleich zwei hübsche Sachen gefunden, die ich gern hier festhalten möchte.

News analysis in BILD: Synthese aus Text und Bildaussage

1. Wolfgang Schäubles Lächeln . . .

Schauen Sie mal auf das Bild: Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Amtskollege Evangelos Venizelos geben sich die Hand, beide lachen. Der Grieche hat seinem Land gerade 130 Milliarden Euro Kredite gesichert – Deutschland steht zu einem guten Teil dafür gerade. Der Schuldner und sein Gläubiger, Erleichterung gegen Hoffnung, Zuversicht gegen Zweifel. Wie lange wird das Gleichgewicht halten? Dazu die Schlagzeile:

Was kostet uns dieses Lachen?

Das machen sie schon lange, und das machen sie gut. Sie haben das Foto, sie haben die Nachricht, und sie verbinden beides, indem sie aus Lesersicht eine Interpretation in die Bildaussage legen, Schulterschluss inklusive: uns. News analysis at its best: Was bedeutet die Nachricht für mich?

Schön auch die Doppelbödigkeit: Ein Lachen kostet eigentlich nichts, ist eine menschliche Geste – doch bei diesem steht viel auf dem Spiel. (Die Polemik mit den „Pleite-Griechen“ in der Vorzeile lassen wir jetzt mal außen vor – mir geht’s nicht um die Bewertung der Aussage, sondern der Machart.)

BILD hilft: Wie spricht man Bachelor?

2. . . . trifft auf den „Bachelor“ 

Drei Seiten weiter ein Bericht über das „Bachelor“-Finale auf RTL. Paul Janke hat endlich seine Traumfrau gefunden – der „Bachelor“ (dt. Junggeselle) war ein unerwarteter Quotenerfolg und ist Gesprächsstoff in Schulen und Kantinen. Nur dass Bachelor eins der englischen Wörter ist, die dem Deutschen naturgemäß schwer über die Lippen kommen, zumal, wenn er oder sie des Englischen nicht so richtig mächtig ist. Weswegen BILD seinen Lesern die Aussprache an die Hand gibt bzw. in den Mund legt. Und weil niemand Lautschrift beherrscht, gibt’s eine lautmalerische Umschreibung: Bettschälla. Gut, oder? Zumal das Bett gut zum Sendeinhalt passt.

Die Süddeutsche Zeitung nutzt Bettschälla übrigens in ihrer Geschichte zum Finale auf der Medienseite auch, allerdings um das Format wegen seines Frauenbildes zu verhohnepipeln.

Mehr zum Thema? BILD-Schlagzeilen sind auch oft gut: Hier ein aktuelles Beispiel.

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