(23.2.2012) Heute beginnt eine neue Staffel von Germany’s Next Topmodel – die siebte. 51 Kandidatinnen, die aus 15.711 Bewerberinnen in Castings ausgewählt wurden, treten unter den strengen Augen der Jury aus Thomas Hayo, Thomas Rath und natürlich Heidi Klum gegeneinander an. Ich nutze die Gelegenheit, etwas zur Sprache der Sendung zu schreiben.

 

„Wow“, „super“, „toll“:

„Wow“, „super“, „toll“:

Das Wunder der Wiederholung

Wenn man an der Show textlich etwas feststellen kann, dann, dass einfache, klare Botschaften in kurzen Sätzen en vogue sind. Das Wunder heißt Wiederholung. „Einige Sprüche haben sich eingeprägt wie Mantras“, sagt Gregor Weichbrodt. Er hat sich zusammen mit seinem Kommilitonen Grischa Standke die Mühe gemacht, das Finale der letzten Staffel Wort für Wort abzutippen und wie ein Theaterstück im klassischen Look einer Reclam-Ausgabe auf insgesamt 128 Seiten zu gestalten  – inkl. Ortsangaben, Regieanweisungen und freien Doppelseiten für die Werbeblöcke (s. Bilder). Titel: „Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet.“

Durch die neue Form entsteht ein reizvoller Kontrast. In den einfachen kleinformatigen Bänden mit dem gelben Einband stecken sonst Kleinode der Sprachkunst in Gestalt klassischer Literatur. Das macht den Kontrast zu der simplen Sprache der Modelshow noch deutlicher. Klar: Ein Modelwettbewerb ist kein Germanistikseminar. Ich erwarte keine anspruchsvollen Diskurse. Und Fernsehen ist zum Gucken da. Aber Sprache kommt auch hier vor – beeindruckend eindimensional.

Buchstabengetreue Transkription des Finales . . .

Buchstabengetreue Transkription des Finales . . .

Häufigste Adjektive: Super, toll und wow

Wenn man sich die jubelnde Menge in der Halle wegdenkt, wenn die Musik und die Action auf dem Laufsteg in den Hintergrund treten, die Stimmen verstummen, dann kommen die Trivialität der Texte und Banalität des Inhalts noch stärker zum Vorschein – und aus der Fleißarbeit wird ein stilles Dokument der Einfalt mit insgesamt 11.600 Wörtern.

Die Begeisterung bricht sich mit den drei lobenden Begriffen super (61-mal), toll (38-mal) und wow (25-mal) Bahn. Kommunikation ist Selbstzweck: Sagen bringt es auf 24 Nennungen. Bekräftigung stärkt die Botschaft: Wirklich kommt 36-mal vor. Sehr konsequent wird der Kernbegriff Topmodel verwendet – 44 Nennungen;  dessen Darstellerinnen sind stets Mädchen (31-mal).

Drei Sätze werden wir in der nächsten Zeit wiederholt hören, die im öffentlichen Bewusstsein mittlerweile den Charakter geflügelter Worte bekommen haben – im Finale allerdings kaum eine Rolle spielten:

Nur eine kann Germany’s Next Topmodel werden.

Nur eine schafft es auf den Titel der deutschen Cosmopolitan.

Ich habe heute leider kein Foto für Dich.

Wenn Sie in den langen Werbepause nicht mehr wissen, wie Sie die Zeit totschlagen sollen, lesen Sie hier die Transkription der beiden Berliner Kommunikationsdesign-Studenten nach – große Unterhaltung für zwischendurch!

Buch: Das ist der Tag von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet.

. . . mit freien Seiten für die Werbepausen

Danke an Gregor und Grischa für die freundliche Unterstützung dieses Beitrags.

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