Englische Werbeslogans versteht der deutsche Konsument schon mal miss. Auch die aktuelle Samsung-Brandline „Turn on tomorrow“ lässt sich unterschiedlich interpretieren. Doch vielleicht verändert sich assoziativ das Image.

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Zweideutiger Samsung-Slogan: „Schalte morgen ein!“

(28.6.2011) Der koreanische Elektronik-Konzern Samsung  stellt hinter die aktuellen Werbespots für seine Flachbildschirme eine Brandline. Turn on Tomorrow heißt es selbstbewusst, aber auch vielsagend am Ende der Werbespots. Samsung, größter TV-Hersteller der Welt, fasst darin die technische Fortschrittlichkeit, die Wertigkeit seiner Produkte sowie Anspruch und Bedeutung des Unternehmens noch einmal zusammen.

Warum englische Slogans missverstanden werden . . .

Das ist mutig. Über die Missverständlichkeit englischer Slogans auf dem deutschen Markt wurde schon reichlich geschrieben und vielfach geschmunzelt. Der Douglas-Slogan Come In and Find Out etwa wurde zum Klassiker als Kommen Sie herein und finden Sie wieder heraus; die Bierwerbung Welcome to the Beck’s experience entfaltete als Willkommen beim Beck’s-Experiment ihren ganz eigenen Reiz und der Burger King-Spruch Have it your way wurde schon mal als Nimm’s mit auf den Weg fehlinterpretiert. Tatsache ist: 61 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung über 14 Jahre gaben in einer aktuellen Allensbach-Umfrage keine oder geringe Englischkenntnisse zu Protokoll.

. . . und welche Chancen und Risiken in „Turn on Tomorrow“ liegen

Samsungs Slogan ist ein weiterer Kandidat für komische Bedeutungsvarianten. Statt des korrekten, aber auf deutsch holprigen Schalte das Morgen ein bietet sich an:

1. Schalte morgen ein. Wieso denn erst morgen –  muss sich das Gerät akklimatisieren?

2. Früher war es auch ganz schön. Aber nur das Morgen törnt an.

3. Schalte Tomorrow ein. Häh? Was ist denn das für ein schräger Cross-Marketing-Deal: Wieso soll ich eine Internet-Zeitschrift einschalten, die schon längst eingestellt ist?

Bleibt die Hoffnung, dass viele einen Slogan gar nicht bewusst übersetzen, sondern ihn im Ganzen oder teilweise assoziativ auf sich wirken lassen. Nicht auszuschließen, dass auf diesem Wege die Schlagworte Turn On und Tomorrow positiv besetzt sind und das Samsung-Image in gewünschter Richtung beeinflussen.

9 Responses to Denglische Werbung: „Schalte morgen ein!“
  1. huch, für diesen slogan hatte ich bisher immer diese interpretation:

    ich dachte, samsung wolle damit ausdrücken, dass ihre fernseher (und die werbung dafür) so gut sind, dass man SOFORT ausspringt und sie heute noch kauft, und sie somit gleich am nächsten tag (tomorrow), nachdem man die werbung gesehen hat, anschalten (turn on) kann 😀
    ich hielt diesen slogan also für eine art prophezeihung (in etwa “Du wirst ihn schon morgen anschalten.”), aber nicht im futur, sondern im präsens, was ja im englischen durchaus möglich ist, wenn das zukünftig eintreffende absolut wahrscheinlich ist.
    ich für mich habe die werbung als “komplexer” empfunden, als sie eigentlich ust ^^

    • @ Temil: Schöne Interpretation. Ich glaube, die Marketing-Abteilung und die Agentur würden sich (mit Recht) auf die Schulter klopfen, wenn Ihr Slogan einen derart starken Impuls auslösen würde.

  2. […] Werbesprüche bergen nicht selten Risiken. Anders als bei Adidas („Adidas is all in“), wo das Allgemeine der Aussage zum Problem wurde, […]

  3. […] Ich bin nicht so streng wie der Verein für deutsche Sprache, der die Wahl veranstaltet, und habe schon selbst nach Kräften gedenglischt. In, Achtung, Meetings ist es als Branchenjargon de facto Standard. Gleichzeitig bemerke ich, dass meine Blog-Beiträge über denglische Werbeslogans gehören zu den meistgeklickten – wohl weil Unklarheit wegen der deutschen Bedeutung herrscht. Oder die Leute gern ablachen, wer weiß. Hier geht’s zum Spitzenreiter und zu seinem hartnäckigen Verfolger. […]

  4. […] interessieren sich für mehr englische Claims? Wie wärs mit „For those who do“, „Turn on tomorrow“ oder „Adidas is all in“? Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Schilder & Plakate, […]

  5. […] ist es her, dass wir über den missverständlichen Douglas-Slogan Come In and Find Out gelacht haben. Obwohl der Spott sich breit über alle Medien ergoss, sind solche Legenden der […]

  6. […] Ausland mag er funktionieren, doch mit dem Verständnis in Deutschland könnte es hapern (vgl. diesen […]

  7. […] verwendete Samsung einen Slogan auf Englisch. „Turn on Tomorrow“ hatte Reim und Rhythmus, war aber risikobehaftet, weil missverständlich. […]

  8. […] Zu Beginn eine Mischung aus Entwarnung und Versprechen. Dies soll kein billiger Beitrag über die schon oft beklagte Verwendung von Anglizismen in Slogans mit den immer gleichen, sattsam bekannten Beispielen werden, die letzten Endes nur dazu dienen, das neue Buch zu bewerben. Habe ich vor Jahren auch drüber gebloggt. […]


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