(26.3.2011) Jede Sprache kennt Synonyme: Die Entscheidung für toll, stark oder großartig (oder heuzutage: geil) hängt vom Register, vom Klang oder vom persönlichen Geschmack des Verfassers ab. Noch mehr Wörter oder Phrasen gibt’s jedoch, die eine ähnliche, aber nicht die gleiche Bedeutung haben.

So unterscheiden die Eskimos zwischen mehreren Dutzend verschiedenen Schneearten; Wüstennomaden halten’s ähnlich mit dem Sand. Ein Fließheck sieht eindeutig anders aus als ein Stufenheck, während grüner, schwarzer oder weißer Pfeffer einer Speise unterschiedliche Würze beisteuert.

In letzter Zeit fiel mir zunächst im Freundeskreis die grassierende, wohl faulheitsbedingte Verwendung von unterwegs auf: „Clyde ist schwer im Jazz unterwegs“ – „Als Pharmareferentin ist meine Frau viel in Kliniken unterwegs.“ Das Virus hat inzwischen unsere Nachrichtensprecher im Griff: „Der BP-Konzern fördert nicht nur Öl, sondern ist auch im Gasgeschäft unterwegs.“ Gut, beim Beispiel mit den Kliniken kann man noch Toleranz aufbringen, drückt doch der Satz örtliche Bewegung aus. Präziser wäre natürlich, „sie besucht viele Kliniken.“

Aber wie, um Gottes willen, kann man im Jazz unterwegs sein? Oder im Gasgeschäft? Will der Sprecher sagen, sein Freund Clyde kenne sich beim Jazz gut aus? Oder, dass er Jazz liebt? Dass er Jazzplatten sammelt? BP wiederum fördert ebenfalls Gas oder hat zahlreiche Beteiligungen an Gasproduzenten oder hat eine starke Präsenz in der Gasbranche.

Klingen meine Einwände, als wäre ich viel in der Pedanterie unterwegs?  Für mich hat das mit sprachlicher Eleganz und Präzision zu tun. Ohne diese Eigenschaften gerät man schnell auf den Holzweg!

Clive Williams

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