(10.2.2011) Live-Sportübertragungen sind ein zuverlässiger Gradmesser für Sprachentwicklung. So auch das Fußballländerspiel Deutschland – Italien gestern. Neuer im Tor, jubelte Reporter Tom Bartels, sei unüberwindbar. Dabei meinte er unüberwindlich.

Dergleichen hört man öfter. Woher kommt das? Steckt das Angelsächsische dahinter, das so viele Adjektive auf – able, also –bar, aber keine andere Form kennt, also kein -lich? Es ist mir unerklärlich, aber es wäre noch schlimmer, es als unerklärbar zu bezeichnen. Hat’s aber auch schon gegeben.

Ich verstehe, dass das Problem größer wird, wenn etwas nicht zu erklären ist – der Infinitiv ist umständlich. Wie wär’s mit dem Partizip? Denn was nicht erklärt werden kann, ist ungeklärt. Dieser Trick hülfe in vielen Fällen. Eigentlich ist immer ein Weg drumherum gangbar – man muss nur wissen, wann. Denn ganglich wäre definitiv falsch. Ich höre schon Nina Hagens alten Hit (Sie erinnern sich?) in einer Neuaufnahme: Unbeschreibbar weibbar.

5 Responses to Unerklärlich: Unerklärbar
  1. Sehr schöner Artikel. Ich fand über Google hier her, da mir die Frage nach dem bar und lich nicht mehr aus dem Kopf ging. Ganz klar ist es mir noch nicht.
    Bei ‘unerklärbar’ denke ich eher an eine Person, die eine Sache/Situation nicht in Worte fassen kann, da diese zu komplex.

    Bei ‘unerklärlich’ denke ich an die Situation allein, die sich einem nicht von selbst erklärt, und zu dem nicht in Worte gefasst werden muss.

    Ich denk aber sicherlich verwirrend 🙂

  2. @ Ralf:

    Der Duden sieht beide Begriffe bedeutungsgleich als Synonyme. Ich bereite gerade einen Nachfolgeartikel vor, diesmal am Beispiel von unvermeidlich und unvermeidbar. Da nehme ich im Detail einen Bedeutungsunterschied wahr, der tatsächlich auch auf der Idee des subjektiven und objektiven Unvermögens basiert.

  3. […] Sportberichterstattung gibt oft interessante Hinweise auf Veränderungen im Sprachgebrauch – so wie gestern das Aktuelle Sportstudio, als es bei den […]

  4. […] weichen zurück. Nicht selten endet derselbe Stamm statt auf -lich auf -bar, zum Beispiel wenn aus unüberwindlich unüberwindbar wird. Das ist nicht dasselbe, ja nicht mal das Gleiche: Während manche Dinge objektiv […]

  5. […] Neigung, im Sprachgebrauch die Endung – bar vorzuziehen, so wie etwa aus erklärlich erklärbar oder aus unverständlich unverstehbar geworden ist bzw. gerade […]


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