Weil Satzteile immer mehr bausteinhaft zusammengesetzt werden, entfällt ihre Beugung.  Leider übersehen das auch die, die es wissen und können sollten. Am Beispiel der Apposition (Beiordnung).

 Beiordnung und Appositionen werden dekliniert.

Meedia-Newsletter (12.7.16., Bildschirmfoto): Auch die Apposition/Beiordnung ist dem Dativ sein Tod.

(31.1.2011, Nachträge, 15.7.16 und 12.12.17) Im Nachgang zu einer Presseveranstaltung schrieb mir ein großes PR-Büro im Namen seines internationalen Großkunden, eines Computerherstellers. „Wir hoffen, Sie auf der nächsten Veranstaltung wieder als unser Gast begrüßen zu dürfen.“ Na – gemerkt? Oder drüber weggelesen?

Beiordnungen (Fachsprech: Appositionen) wie „ich als der Verfasser dieser Zeilen“ werden dekliniert, also gebeugt. Dann stehen sie im gleichen Fall (Fachsprech: Kasus) und der Leser erkennt den Bezug und die Zusammengehörigkeit. Also: Man schreibt die Zeilen mir als dem Verfasser zu (wem? Mir. Dativ), oder meint mich als den Verfasser (wen? Mich. Akkusativ). Das gerät aber in Vergessenheit, weil das Substantiv (Gast, Verfasser) seine Nominativ-Form auch im Dativ oder Akkusativ behält – vgl. der Gast vs. den Gast. Aber man freut sich doch wohl hoffentlich, mich „als unseren Gast begrüßen zu dürfen“ – trotz meiner kritischen Anmerkung hier. Anders gesagt: An den Fürwörtern (Fachsprech: Pronomen, hier: unser) wird der Fall erst sichtbar.

Nachtrag: Es ist aber auch vertrackt – vor allem, wenn das Verb so weit weg vom Objekt steht, dass der Bezug lose wird. Lesen Sie mal, wie Spiegel-Online über eine Filmpreis-Verleihung berichtet: „Die Nebendarsteller-Preise gingen an Melissa Leo als Mutter von zwei Söhnen, die im Bostoner Arbeitermilieu um eine Boxkarriere kämpfen, und an Christian Bale als ihr drogenabhängiger Sohn. An wen ging der zweite Preis? An Christian Bale – als ihren drogenabhängigen Sohn (den. Akkusativ).

Apposition: Beispiel im Dativ

Nachtrag (15.7.2016) : Auch fünf Jahre später ist das Thema aktuell – s. Bildschirmfoto oben. Im Meedia-Newsletter mit den abendlichen TV-Tipps vom 12.7.16 wurde das „House of Lies“ mit folgendem Satz angekündigt (s. Markierung):

Wie geht es mit Don Cheadle als intriganter Unternehmensberater in der vierten Staffel weiter?

Tja, da hat jemand das Beugen der Beiordnung übersehen. Wahrscheinlich, weil das Denken kurzfristig abgestellt war, bzw. wir nicht mehr Sätze einzeln denken, sondern bestimmte Satzteile wie starre Bestandteile aneinanderreihen, ohne auf Präpositionen wie mit zu achten, sodass der Kasus und damit die Beugung verloren gehen. Richtigerweise hätte es heißen sollen:

Wie geht es mit Don Cheadle als intrigantem Unternehmensberater in der vierten Staffel weiter?

Nur ein Buchstabe, doch soviel Unterschied. Mit wem geht es als intrigantem Unternehmensberater weiter? Don Cheadle. Mit dieser einfachen Probe lässt sich immer feststellen, ob man den richtigen Fall gewählt hat. Und nein, ich halte es nicht für einen Tippfehler. Dafür tritt der Fehler zu systematisch und regelmäßig auf. Tatsächlich ist er mir zwischen 2011 und heute wiederholt begegnet, doch ich habe bisher davon abgesehen, das Thema noch einmal aufzugreifen.

Nachtrag 12.12.17: Eine Leserin weist mich auf diesen Link zum Institut für deutsche Sprache hin, in dem von der Tendenz, „Appositionen in den Nominativ als eine Art “Nullkasus” zu setzen“, die Rede ist. Das ist ein treffendes Stichwort.

Prognose: Da die Denkarmut beim Schreiben weiter um sich greift, bleibt der Trend intakt. Hier noch ein ähnlicher Fall.

One Response to Apposition: Deklinieren nicht vergessen
  1. […] Hier ein ähnliches Problem, nämlich die Deklination resp. Beugung von Beiordnungen mit „als“. […]


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