Auf dem Bau hält die Rechtssprache Einzug. Unbefugte heißen nichtautorisierte Dritte – beobachtet und gedeutet.

Nichtautorisiert-Unbefugt

„Nichtautorisierte Dritte“ (in München): Sicherheit geht vor – auch beim Texten.

Wow, mit welcher Rasanz sich der Wortgebrauch ändert. Auch auf dem Bau bleibt nichts, wie es war. Zwar beginnt wie vor 50 Jahren pünktlich um sieben Uhr morgens das Dröhnen und Kreischen, Toben und Tosen, Wummern und Hämmern, Rattern und Rammen, aber was dann ge- und wie verbaut wird, hat sich stark verändert – den technischen Möglichkeiten und dem Energiespardrang sei Dank. Irgendwann in den 70ern kam das Blau der Dixie-Klos. Und selbst die klassischen Texte an einer Baustelle ändern sich.

An der Baustelle in der Nähe meiner Lieblingslitfasssäule hängt ein Plakat, das den Zutritt zur Baustelle regelt – s. Bild. Da steht rot umrandet:

Nichtautorisierte Dritte

O.k. den Begriff versteht man, doch er klingt nach Rechts- und Verwaltungssprache, ist sperrig und umständlich.

Unbefugte

wäre das treffende Wort gewesen, aber die Mode, dem positiven Stamm ein nicht- voranzustellen, grassiert offenbar weiter und hat von Medien und Verwaltung aus die Bauwirtschaft erreicht. Sie hat womöglich schon so weit um sich gegriffen, dass Unbefugte schon als altmodisch begriffen werden, mindestens aber ungebräuchlich klingen.

Verrechtlichung als Motiv

Wer textet so was – und warum? Generation Smartphone, deren Wortschatz verarmt? Generation Angst, die von der Verrechtlichung der Gesellschaft und der Furcht vor Abmahnung und Haftungsklage getrieben wird? Die vielen weiteren Warnsignale und Symbole zum Arbeitsschutz auf dem Plakat deuten auf die zweite Alternative hin. Aus Textersicht bedauere ich, dass diese Entwicklung dazu führt, das treffende Wort zu meiden, zumal mir das rechtliche Risiko gering erscheint. Solange deutlich genug gewarnt wird, sollte der Sicherungspflicht genüge getan sein. Im Einzelfall würde ich dem als Texter kurz auf den Grund gehen.

Selbst ist der Mann

Auch auf untersagen hat man im unteren Kasten verzichtet, und sich stattdessen für das plumpe verbieten entschieden. Für die Formel „Eltern haften für ihre Kinder“ hat es dagegen noch gereicht. Möge das Haus, das hier entsteht, schöner werden als das Plakat, das die Abbrucharbeiten seines Vorgängers begleitet!

Ach ja, und das h in authorisiert braucht es auch nicht; autorisiert ist die richtige Schreibweise. Wo war die Schlusskorrektur? Aus Kostengründen gestrichen? Alles in allem habe ich den Eindruck, dass der Unternehmer selbst das Plakat zusammengebastelt hat.

Den Trend zur Wortbildung mit Nicht- habe ich schon mehrfach beleuchtet, zuletzt hier.

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