Maschinen werden von Menschen genutzt – aber nicht für Menschen betextet. Das Beispiel einer Kaffeemaschine – und wie man es leicht anders machen könnte.

Wenn man wie ich beruflich Storytelling betreibt und die Welt vorzugsweise aus Kundenperspektive betrachtet, wird man sensibel für Texte, die am Kunden vorbeigehen. Unrühmliche Beispiele sind neben Beamtendeutsch häufig die Texte von Ingenieuren. Die mögen technisch brillant sein und Top-Produkte bauen, doch nur selten verschwenden sie einen Gedanken an diejenigen, die später ihre Geräte benutzen sollen. Warum auch? Der kleine Nutzer hat sich dem großen Geist des Erfinders unterzuordnen. Man denke an den Horror von Bedienungsanleitungen.

Kaffeemaschine-Menu-betexten

Seelenlose Anzeige: Kaffee als „Produkt“

Die Kaffeemaschine in der Küche der Agentur ist eigentlich ganz stylisch. Der Korpus des Typs Rex-Royal S300  ist schwarz, die Kanten silber abgesetzt, hinter der Tasse leuchtet indirekt ein farbiger Rahmen neben spiegelndem Metall. Zugleich hat man sich die Mühe gemacht, jedes Heißgetränk zu bebildern. Doch auf der Anzeige steht:

Bitte wählen Sie Ihr Produkt.

Während sich die Maschine gurgelnd in Gang setzt, wechselt der Satz:

Ihr Produkt wird ausgegeben.

O.k., man ist höflich und hat das „bitte“ zu Beginn nicht vergessen. Doch wie kalt ist diese Sprache? Wie distanziert? Wie freud- und seelenlos? Denkt niemand daran, dass es Leute gibt, die diese Anzeige täglich lesen werden? Wie schön wäre es, wenn die Maschine textlich ein menschliches Antlitz hätte.  Lasst es uns probieren, und beginnen wir damit, das abstrakte Produkt und den Vorgang zu konkretisieren:

Bitte wählen Sie Ihr Getränk.

Und weiter:

Ihr Getränk wird zubereitet.

Oder wir geben der Maschine eine Identität in Form eines Egos:

Ich bereite Ihr Getränk zu.

oder, um Vorfreude zu erzeugen,

Ihr Getränk ist gleich fertig,

oder, um einen Schuss Sinnlichkeit in die Sache zu bringen,

Ihr Kaffee wird nun frisch gebrüht.

Berechtigt ist der Einwand, dass die Kaffeemaschine auch Teewasser ausgibt; das spricht zweifellos dafür, zum Getränk zurückzukehren.

Gerät-Menu-Text

Kostenfaktor Lektorat: Tassee mit Doppel-e

Alternativen: Bestärkung und Humor

Eine Kollegin, die ich häufig an der Maschine treffe und die ich auf den Anzeigetext hingewiesen habe, stimmte begeistert zu. Sie schlug vor, die Maschine könnte die Mitarbeiter in ihrer Wahl bestärken. Etwa so:

Sie haben das richtige Getränk gewählt.

Auch das fand ich interessant, weil es emotionaler als die tatsächliche Lösung ist. Oder auch:

Läuft.

Das hätte Witz – wäre aber vielleicht in einigen Jahren, wenn niemand mehr diese Bürophrase nutzt,  altmodisch.

Übrigens: Für die Schlussredaktion hat es wieder einmal nicht gereicht. Tassee Kaffee steht da in der ersten Reihe der „Produkte“. Tasse mit Doppel-e.  Das wird so hergestellt, ausgeliefert und dann jahrelang benutzt. Zeit zum Testen oder sorgfältig Arbeiten scheint nicht mehr zu sein.

Da macht’s meine Soundstation von Loewe schon besser: Die verabschiedet sich mit einem zünftigen, Schwarzwälder Good-bye, wenn ich sie ausschalte. Der Kaffeemaschinen-Hersteller dagegen ist aus der Schweiz, wie ich herausgefunden habe. Das erklärt einerseits die strikte Neutralität des Ausdrucks – aber nicht die Tassee Kaffee. Ich habe Schweizer in Fragen der Rechtschreibung als sehr genau, um nicht zu sagen penibel, kennengelernt.

Bei der nächsten Generation wird es vielleicht schon egal sein – dann ist die Kaffeemaschine sprachgesteuert. Doch die Kühle der Ingenieure ist umso erstaunlicher, als der Mensch in den Medien seit Jahren konsequent glorifiziert wird.

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