Ein Wortspiel auf das Unwort des Jahres 2010 würzte den Wahlkampf 2017 werblich.

Aldinativlos als Alternative

Kampagne Aldinativlos (in München): Wahlkampf per Werbung?

Der Bundestagswahlkampf war langweilig, sagen viele, ich würde mich einschließen. Doch jetzt, kurz vor Schluss, überrascht Aldi Süd mit einem hammerharten Wortspiel und einem lustigen Konzept, das breit gestreut wurde. Aldinativlos gibt’s im Netz, auf Plakatwänden und an meiner Lieblingslitfasssäule – s. Bild. Weil man nicht weiß, wie lange über die Wahl hinaus die Aktion läuft, habe ich ein paar Fotos gemacht.

Das leicht humpelnde Wortspiel als solches geht auf Bundeskanzlerin Merkel zurück, die ihre Politik einst als alternativlos bezeichnete – was dem unschuldigen, aber hässlichen Wort prompt den Preis als Unwort des Jahres 2010 einbrachte – ich berichtete. Hässlich ist es nicht nur sprachlich (kein Rhythmus, ohne Saft und Kraft), sondern vor allem gedanklich: Auch wenn man keine Entscheidung trifft, trifft man eine Entscheidung. Insofern gibt es immer eine Alternative zu dem, was man vorhat. Andererseits hat Merkel nicht ungeschickt die Alternative als logische Möglichkeit rhetorisch vernichtet.

Kritik mit Witz

Doch für aldinativlos muss man Merkel danken. Hätte es kein Politiker gesagt und bekannt gemacht, hätte es keinen Sinn und würde nicht funktionieren. Plus: Neben das Wort tritt eine starke gestalterische Komponente mit prägnanten, aus Obst und Gemüse gebauten Gesichtern und Text. Der ist nicht ohne Witz, denn Kritik an den politischen Verhältnissen kommt in den Gemüsegestalten und ihren Slogans durchaus zum Ausdruck. S. Bildschirmfoto: Wählt mich! Ich bin keine Gurke! Politikerkomplimente klingen anders.

Weniger ackern, mehr ernten – diese (nicht abgebildete) Variante könnte man ja auch als Forderung nach einer Rückkehr zur 35-Stunden-Woche deuten, verbunden mit mehr Netto vom Brutto. Oder noch eindeutiger: Bürokratie abbauen, Obst anbauen. Klingt nach politischer Forderung und deutlich konkreter als die Vision von einem Land, in dem wir gut und gern leben (um nur ein Beispiel zu nennen.) Da stets der Bezug zum Aldi-Sortiment gewahrt bleibt, hält die Kampagne die Balance und gleitet nicht in Politparolen ab, die irgendjemand am Ende noch als populistisch gebrandmarkt hätte.

Insofern: Wann hatte man das zuletzt – eine ebenso wortwitzige wie intelligente Kampagne aus Deutschland? Am ehesten noch bei Sixt, würde ich sagen. Was meinen Sie?

One Response to Alternativlos: Aldinativlos
  1. […] der Baustelle in der Nähe meiner Lieblingslitfasssäule hängt ein Plakat, das den Zutritt zur Baustelle regelt – s. Bild. Da steht rot […]


[top]

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Ähnliche Beiträge