Wie behandelt man englische Verben im Deutschen? Hängt man ein -t oder -ed an? Eine Handreichung in zwei Schritten.

talked vs. talkt, rapped vs. rappt

Sie talked, er rappt? Mit Gender hat die Schreibung nichts zu tun. (Bildschirmfoto)

Bei der Eindeutschung englischer Verben geht es fröhlich durcheinander. Talkt, talked, gestylt, gestyled, gerappt, gerapped, performt, performed – all diese Formen finden sich. Ich habe Grund zu der Annahme, dass sie oft nach gusto verwendet werden – s. Bildschirmfoto.

Barbara Schöneberger talked, Jan Böhmermann rappt –

da frage ich mich, was der Schreiber sich dabei gedacht hat? Hoffentlich nicht, dass Frauen ein -ed bekommen, Männer dagegen das -t ans Ende des  Verbs. Soviel steht fest: Mit dem Geschlecht des Subjekts hat die Verbform nichts zu tun. Doch womit dann? Gibt es nicht vielleicht eine Logik in der Schreibung? Ich möchte dazu eine kleine Systematik an die Hand geben, die im Wesentlichen von zwei Überlegungen abhängt.

Die Zeit: Präsens oder Perfekt?

Da ist zum einen die Zeit: Soll das Verb im Präsens (Gegenwart) oder Perfekt (Vergangenheit, vereinfacht gesagt) stehen? Die deutsche Grammatik schreibt im Präsens ein t am Ende des Wortstamms vor, also geht, redet, steht etc. pp.

Soll also das einzudeutschende englische Verb im Präsens stehen, dann bitte einfach nur ein t an den Wortstamm hängen. Also er, sie, es

talkt, stylt, rappt, performt.

Probe: Das -ed am Ende des englischen Originalwortstamms zeigt immer die Vergangenheit an. Insofern würde man eine englische Vergangenheitsform zu einer deutschen Gegenwartsform machen, wenn man schriebe: talked, styled, rapped, performed.

Das bitte unterlassen und die t-Form verwenden. Ich gebe zu, dass t sieht manchmal ungewohnt aus, weil wir das Englische so plastisch vor Augen haben, aber von der Logik her gibt es da kein Vertun. Trotzdem geht manchmal was durcheinander, wie mein Beispiel oben vom Meedia-Newsletter zeigt.

gestylt oder gestyled

Plakatwerbung (in München): Schön gestylt wäre besser gewesen

Der Grad der Anpassung

Welcher Grammatik ein Wort unterworfen wird, der englischen oder deutschen, hängt davon ab, wie lange es schon im Deutschen auftaucht und welche Verbreitung es gefunden hat. Ein populäres Wort wird eher nach den Regeln der deutschen Grammatik geschrieben als ein seltener Begriff, den man in Originalschreibung lässt. Das nennt man Assimilation (dt. Anpassung).

Ich gebe zu, diese Regel ist nicht eindeutig, sondern Auslegungssache. Aber man muss nicht mal nach Bauchgefühl handeln, kurz googeln hilft auch. Damit können Sie feststellen, wie häufig ein Wort ist und davon die Entscheidung abhängig machen.

Machen wir den Test am Beispiel des zweiten Fotos. Gestyled, auf das die Rechtschreibkorrektur mit Ablehnung reagiert und in gestellt verwandelt, kommt auf 438.000 Treffer (Stand heute, 1.8.2017). Gestylt dagegen ergibt 3.730.000 Funde, also das achtfache. Klare Sache – gestylt ist erstens stärker assimiliert, weil es häufiger ist. Zweitens ist es konsequenter, weil das ge- ohnehin Teil der deutschen Beugung ist. Perfektpartizipien werden bei regelmäßigen Verben hierzulande immer dadurch gebildet, dass man ein ge- voranstellt und ein -t anhängt. Also wäre die Schreibung mit -t besser gewesen; mit -ed ist es eine halbgare Mischform.

Ein Verb wie performen kann man nicht nur wegen der Schreibung mit -ed kritisieren.

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