Alle Jahre wieder durchforstet der Rat für deutsche Rechtschreibung das Wörterverzeichnis auf Absurditäten. Jetzt war es wieder soweit – die wichtigsten Resultate.

Gestrichene Schreibungen 2017

Nicht alles, was gefällt, ist auch erlaubt. (Gemacht mit Wortwolken)

Alternative Schreibungen (ohne Regel)

Es ist nicht mehr so ganz mein Thema, aber lustig ist es allemal, und eine gewisse Tradition hat es auch: Der Rat für Rechtschreibung hat alternative Schreibungen einkassiert, die seinerzeit in der Rechtschreibreform für zulässig erklärt wurden, sich aber nicht behauptet haben.

Es sind mal wieder erlesene Köstlichkeiten dabei, die Sie sich bitte auf der Zunge zergehen lassen möchten:

  • „Anschovis“,
  • „Frotté“,
  • „Komplice“,
  • „Majonäse“,
  • „Wandalismus“
  • „Ketschup“
  • Kommunikee“
  • „Nessessär“
  • „Varietee“
  • „Rakett“ (gemeint ist der Tennisschläger)

Hahaha, ganz ehrlich: Wer jemals diese Varianten für Rechtschreibung erklärt hat, hatte im Oberstübchen Möbelumstellungsbedarf (frei nach Don Alphonso). Sie sind jetzt glücklicherweise auf der Resterampe für geistigen Vollschrott gelandet. Der kleine Irrtum kann dort abgeholt werden.

Wir sehen an der Entscheidung auch, dass die damalige Idee, zu schreiben wie man spricht, nach und nach zerfällt und stattdessen wieder die Regeln in den Vordergrund treten. Nur dass da draußen inzwischen eine Generation schreibt, die die Regeln nicht mehr kennt. (Ich spreche aus nahezu täglicher leidvoller Erfahrung, nicht mit textenden Kollegen, aber jenen, die in den Beibooten sitzen und Papiere schreiben, die an Kunden gehen.)

Genauer gesagt wurden die Schreibungen mit der Begründung aus dem offiziellen Wörterverzeichnis gestrichen, die Fremdwortschreibung entspreche nicht den Regularitäten der deutschen Rechtschreibung. Was so  beeindruckend klingt, ist widersprüchlich und ein Zirkelschluss: Sie sind falsch, weil sie nicht den Regeln entsprachen. Wie konnten sie dann jemals als Rechtschreibung gelten? 

Große Adjektive und Esszett

Als Texter muss ich weiter sagen: Diese Schreibungen hat niemals ein Kunde verlangt noch die Nutzung jemals auch nur nahegelegt. Es muss sich um Varianten handeln, die im Projekt Nivellierung für rechtens erklärt wurden. Ernst nehmen konnte man sie nicht, sie wirkten immer wie Fehler, und zwar krasse. Insofern kein Wunder, dass sie allgemein nicht angewendet wurden und nun wieder aus dem Wörterverzeichnis gestrichen werden.

Wohl aber kann ich sagen, dass es bei allen Kunden ein Bedürfnis nach Rechtschreibung gibt: Fehler werden nicht toleriert, trotz aller Toleranz im Regelwerk. Schlusskorrektur bleibt ein Muss.

Für die Praxis bedeutsamer ist die Wiedereinführung der Großschreibung von Adjektiven, wenn sie – verkürzt gesagt –  in Verbindung mit Substantiven den Charakter einer stehenden Wendung haben. Denken Sie an

  • die Goldene Hochzeit 
  • das Neue Jahr
  • die Rote Karte
  • die Erste Hilfe
  • den Ersten Vorsitzenden

Auch interessant: Das scharfe s, auch ß genannt, ist in Großschreibung wieder statthaft. Dies betrifft Versalienschreibungen wie EISKALT GENIESSEN, jetzt auch mit ß, oder Bauchbinden wie AUßENMINISTER. Für Texter in Werbung und Medien nicht ganz unwichtig.

Die Pressemitteilung vom 29.6.2017 gibt es hier im vollen Wortlaut, den vollständigen Bericht mit mehr Beispielen hier.

Als der Rat das erste Mal feucht durchwischte, war das einer meiner ersten Beiträge.

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