(13.1.2017) Uwe Kopf ist tot. Sie fragen, wer das war? Ich kannte ihn auch nicht persönlich, aber er hat mich ein paar Jahre lang begleitet, damals Ende der Achtziger, als er Textchef und Kolumnist bei Tempo war, während ich noch gar nicht schrieb, sondern nur las. Seine Geschichten waren Höhepunkte der Lektüre, besonders die Miniaturen: die Plattenbesprechungen und Konzertankündigungen, bei denen es drauf ankam, auf wenig Raum ein Urteil zu begründen oder eine originelle Aussage zu treffen; darauf, besonders dicht gedrängt zu schreiben; in denen ein gescheiter Gedanke gefragt ist, eine aufreizende Provokation, etwas, das von Geist und Witz zeugt. Das konnte er, Uwe Kopf war ein großer Stilist und origineller Denker. Geholfen hat es nichts, der Zeitgeist ließ die Zeitgeistblätter irgendwann hinter sich. Ich war dabei, als der Bauer-Verlag Mitte der Neunziger Jahre den Wiener beerdigte, den einzigen Tempo-Konkurrenten. Da war ich allerdings Verlagsleitungs-Assi, erst kurz darauf wechselte ich den Schreibtisch.

Nach dem Ende von Tempo verschwand Uwe Kopf aus meinem Blickfeld, warum, weiß der Nachruf in der BZ. Nur ab und zu tauchte er noch in Gesprächen auf. Wir erinnerten uns an geschliffene Formulierungen, aber auch an Thesen und Standpunkte, die heute überholt erscheinen, weil sie nur in einem bestimmten Alter gültig sind; weil Blätter wie Tempo sich darin gefielen, extreme Sichtweisen einzunehmen. Ich erfuhr erst gestern von seinem Tod, und wusste gar nicht, dass er kurz nach seinem Amtsantritt als Tempo-Textchef einen Brandbrief an seine Autoren schrieb, der vieles von dem enthält, was ich auch stilistisch beherzige – s. Bildschirmfoto.

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„Bitte, bitte keine Rockschreibe“ – Uwe Kopf wusste, was Texte gut macht.

Hahaha – „Dieser und ähnlicher Wortschrott wird aus dem Kulturteil von Tempo verschwinden.“ Solche Kampfansagen sind gefährlich, weil man an diesem Anspruch scheitern kann, aber es lohnt sich, dieses Vermächtnis Uwe Kopfs zu kennen: Wer sich als Texter dieser Punkte bewusst ist, zwingt sich, stärker an seinen Aussagen zu arbeiten; nochmal drüber nachzudenken, was er eigentlich sagen will; sich zu fragen, ob, das, was er geschrieben hat, wirklich das ist, was er sagen wollte; fast automatisch werden Texte dadurch besser. Es gibt sie eben doch, diese zeitlosen Regeln für guten Stil – alles noch gültig. Und sie sind nicht nur kaltes Regelwerk und künstlicher Zwang, sondern Hilfestellung für lebendigere Texte, anregendere Lektüre, zufriedenere Leser.

Wenn ich an Uwe Kopf denke, kommt mir Helge Timmerberg in den Sinn, über den ich kürzlich bloggte – auch ein Mann mit textlichem Anspruch.

One Response to Uwe Kopfs Vermächtnis
  1. […] Wörter weiterhin nicht gehen, steht in Uwe Kopfs Vermächtnis. Im Beispiel aus der Zeit muss der Schreiber noch mehr Klasse beweisen und nutzt die Phrase von […]


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