Einmal ist keinmal? Doppelt genäht hält besser? Bei der Zeit folgen zwei Präpositionen direkt aufeinander, und das gleich zweimal hintereinander.

doppelte Präpositionen in der Zeit

Pommes mit ohne Mayo – geht auch bei Aktienkursen (Bildschirmfoto)

(30.1.2017) Ich versuche nach Kräften, im Blog nicht zu Bastian Sickesk zu erscheinen. Doch manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass es abseits von Trends und Entwicklungen um eine schlichte Stilfrage geht. Zum Beispiel hier, bei diesem Fundstück aus der Zeit. Zumal regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass ich Präzision schätze und Redundanz vermeide.

Dow Jones erstmals bei über 20.000 Punkten

(siehe Bildschirmfoto). Das ist gut gemeint, da rang jemand um eine genaue Angabe, wollte gewissenhaft sein und auf Nummer sicher gehen, tat dann aber zuviel des Guten – und zeigte im Ergebnis wenig Souveränität im Umgang mit dem Deutschen: bei über ist doppelt gemoppelt.

Wer Fragen stellt, macht’s richtig
Wie stellt man sowas fest? Durch Fragenstellen. Jedes Substantiv hat im Satz eine Funktion, hier sind die Punkte ein Objekt, nach dem man fragen kann. Zum Beispiel so: Wohin steigt der Dow Jones erstmals? Über 20.000 Punkte, lautet die richtige Antwort. Da das Verb fehlt, können Sie statt nach der Richtung auch nach dem Ort fragen: Wo liegt der Dow Jones erstmals? Dann lautet die Antwort: bei 20.000 Punkten. D.h. in keinem der beiden Fälle wäre bei über die Antwort.

Immer nur eine Präposition zur Zeit
Die Regel ist ganz einfach: Im Deutschen verwendet man pro Substantiv nur eine Präposition, und nicht, wie hier geschehen, zwei. Für Grammatik-Einsteiger: Präpositionen heißen Wörter wie in, an, auf, bei etc., die Ort oder Richtung angeben.

Ramponierte Qualitätsmedien
Dies war kein Flüchtigkeitsfehler, wie Sie im Intro sehen können. Dort geschieht derselbe Fehler noch einmal, diesmal in einem ganz Satz mit Verb. Daher hier noch kurz mein Klagelied: Die Zeit zählt sich zu den sog. Leit- oder Qualitätsmedien, wo in der Regel nur Hochschulabsolventen zum Einsatz kommen. Was sagt es über deren Qualifikation aus, wenn sie solche einfachen, um nicht zu sagen banalen Dinge nicht beherrschen? Was war im Deutschunterricht los, wie legte man Abitur ab und erwarb Bachelor, Master oder gar Doktorgrad? Und grundsätzlicher: Woraus leitet sich der Anspruch ab, komplexere Dinge beurteilen zu können, wenn selbst sowas nicht fehlerfrei klappt? Zum Betrieblichen: Wo war die Schlussredaktion? Der ramponierte Ruf der Qualitätsmedien lässt sich so nicht ohne Weiteres wiederherstellen.

Damit sind sie nicht allein; bei den öffentlich-rechtlichen Sendern passieren ähnliche Dinge. Und von bis zu ist mindestens genauso plump.

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