Instagram hat sich als weiteres soziales Netz etabliert, Folge: Immer mehr User instagrammen. Zeit für eine kurze Würdigung des Verbes.

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TV-Moderatorin Rebecca Mir (Bildschirmfoto): Sie instagrammt jetzt auch.

(21.10.2016) Neulich stolperte ich bei Facebook über einen Post von Rebecca Mir. Sie erinnern sich: 2011 Zweite bei Germany’s Next Top Model, heute Fernsehmoderatorin auf Pro7. Ein Fundstück hatte sie erheitert:

Bitte hier im Restaurant das Essen nicht instagrammen.

Ich wies sie darauf hin, dass sie da einem älteren Gag aufgesessen war (s. Bild), doch gleichzeitig wurde mir klar: Instagram hat sich nach Facebook als weiteres soziales Netz etabliert. Für alle Nachgekommenen und Spätgeborenen: Im Unterschied zu Facebook konzentriert sich bei Instagram alles auf Bilder. Das Wort selbst bedeutet, etwas zu fotografieren und die Datei auf Instagram mit anderen zu teilen. Instagram wiederum ist ein Kofferwort und steht für, Achtung: instant telegram, ein Sofort-Telegramm also. Noch mehr zur Wortbedeutung, -herkunft und -verwendung fand ich im Sprachlog.

Kandidaten für den Anglizismus 2013: instagrammen

Wie dem Artikel zu entnehmen ist, schwirrt der Begriff schon seit September 2012 im öffentlichen Raum herum. Doch wie ich neulich auch über Yolo schrieb, dauern Diffusionsprozesse manchmal lange. In diesem Fall lag es daran, dass Instagram sich als soziales Netz durchsetzen musste. Heute vergeht kaum ein Tag, an dem ein Star (oder wer sich dafür hält) nicht auf Facebook seine Fans und Abonnenten um Beachtung dort bittet. Aus eigener Anschauung als Vater einer Halbwüchsigen kann ich hinzufügen, dass die Sprößlinge sich bei Instagram tummeln, während Facebook die Erwachsenen versammelt.

Frühe Fundstellen

Auch die Süddeutsche Zeitung verwendete instagrammen 2013 bereits im Zusammenhang mit dem Drang mancher, Speisen und Getränke anderen vor dem Verzehr im Bild zu zeigen. Sogar gesprochen wird instagrammen gebraucht. „Kürzlich hörte ich im Fernsehen die Moderatorin sagen, dass man die Fotos instagrammen könne“, berichtet der Freitag-Autor Matthias Stark, der sich zu einer Generalkritik an Anglizismen aufschwingt, die ich nicht teile. Denn oftmals klingen die Anglizismen knackiger, sind kürzer oder alliterieren – sämtlich Vorzüge, die die deutschen Entsprechungen nicht haben. Mir kommt es vor allem darauf an, ob man die englischen Begriffe durch ein deutsches Wort adäquat ersetzen kann. Wo das geht, bin ich ebenfalls für das deutsche Wort. Bei instagrammen geht das nicht. (Wobei sich facebooken interessanterweise nicht durchgesetzt hat; dort wird gepostet.) Interessant ist auch, wie die Dynamik des Internets sich im Tempo der Sprachveränderung niederschlägt.

Fröhliche Formenbildung

Spannend und lustig finde ich immer wieder, neue Verben zu konjugieren, also andere Formen damit zu bilden. Versuchen Sie mal, das Perfekt zu bilden: Heute schon instagegramt? Oder wie wäre es mit geinstagramt? Wir sehen: Hier holpert’s gewaltig. Da würde man wohl doch eher sagen: Ich hab’s bei Instagram gepostet. Man merkt, dass noch einiges fehlt, um den Anglizismus als ein vollwertiges Verb gelten zu lassen. Auch im Duden dazu noch Fehlanzeige. Google wirft (Stand: 19.10.2016) immerhin schon 248.000 Treffer aus. Dass instagrammen bereits 2013 als Kandidat für den Anglizmus des Jahres nominiert war, kam m.E. viel zu früh. Gemäß Wettbewerbsbedingungen gilt nur das erste Jahr, in dem ein Wort auftaucht. Hier müsste man umdenken: Gezählt werden sollte das Jahr, in dem ein Wort relevant wurde. Das würde instagrammen zu einem erneuten, ernsthaften Kandidaten machen.

So reiht sich instagrammen nahtlos hinter sharen und posten ein. Whatsappen nicht zu vergessen, sowie simsen. Auch performen gehört in diese Reihe. Modernes Leben, weich wie Wackelpudding. Schade fast, dass daherkommen kein Anglizismus ist.

Facebook Kommentare
One Response to Neues Verb instagrammen
  1. […] Ihre dritte These lautet: „Anglizismen und Fremdwörter werden künftig immer häufiger „eingedeutscht“ – Folge: Die deutsche Sprache wird vielfältiger, internationaler, ohne an Eigenheiten zu verlieren.“ Warum verliert sie ihre Eigenheiten nicht? Werden nicht durch eingedeutschte Anglizismen deutsche Wörter verdrängt? Eine Bereicherung kann doch nur bei Wörtern eintreten, die sich gar nicht oder nur schlecht auf Deutsch sagen lassen (z.B. Verben wie googeln oder instagrammen). […]


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