Der oder das Level? Eins klingt komisch, welches ist erlaubt? Was will das Level überhaupt sagen? Über eine schwache Metapher.

(18.4.2013) Heute kam eine Pressemeldung rein, eine neue Marketing-Führungskraft wurde angekündigt, von der sich das Unternehmen viel verspricht.

„Er wird einen wertvollen Beitrag dazu leisten, xx auf den nächsten Level zu heben.“

Wir erreichen hier das unheilvolle Spannungsfeld zwischen Intuition und Erfahrung einerseits sowie Empirie und Konvention andererseits. Das eingedeutschte englische Wort level, lernen wir auf Duden.de, heißt Ebene, Stufe, Niveau und Standard. Daraus lässt sich nichts ableiten, außer dass zwei der vier deutschen Bedeutungen weiblich sind, eine männlich, eine Neutrum.

Das Eleganteste ist natürlich, eine der vier Optionen einzusetzen – dann vermeidet man die Entscheidung zwischen dem maskulinen und dem neutralen Level. Wenn es also schon sein muss: Das Level ist für mich geübte Praxis, der Level verursacht ein Zucken im Sprachzentrum. Was sagt der Duden dazu? Die schnöde Antwort: Beides geht.

Was ist eigentlich die Aussage?

Wenn man eine der deutschen Bedeutungen einsetzt, wird klar, wie unglücklich der Satz eigentlich ist. Auf ein Level heben – das klingt noch ganz gut, weil dynamisch-rhythmisch, zweimal zwei Silben, ähnliche Laute, viele e’s. Aber wenn man ein Unternehmen auf die nächste Ebene hebt, spürt man schon die Mühe und das Gewicht. Da muss einer drücken und schieben, um hinaufzukommen. (Und wer weiß, vielleicht verrät die Aussage damit viel mehr als eigentlich beabsichtigt war.) Eine gute Gelegenheit, über andere Formulierungen nachzudenken: Die nächste Ebene oder Stufe zu erreichen, wäre schöner; allerdings ist das Verb erreichen (bild-)schwächer als heben.

Wahrscheinlich ist es nicht damit getan, Wörter auszutauschen. Zeit darüber nachzudenken, was überhaupt die Aussage sein soll? Ein Level verhüllt mehr als das er preisgibt, und auch Ebenen oder Stufen sind nur Metaphern. Worin besteht der nächste Level? Mehr Umsatz, Marktanteil, Gewinn, Bekanntheit, Bedeutung? Ein besseres Image? Konkrete Aussagen würden den Text gehaltvoller machen, hier liegt textlich eine Chance, einen Gedanken zu entwickeln und einen Plan sichtbar zu machen; allerdings gelten konkrete Begriffe vielfach als unfein, man verbirgt sich lieber hinter dem Unverbindlichen und Vagen. Und nicht immer möchte man seine Absichten offenlegen.

Und hier ein Entrag zum Level bei Computerspielen, sowie hier zur Frage nach dem Genus der Mail.

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