Nach dem kraftvollen Shitstorm siegte dieses Jahr ein unspektakuläreres Wort: Crowdfunding ist der Anglizismus des Jahres 2012.

(10.3.2013) Das Wort bezeichnet eine neue Finanzierungsform. Wer eine Idee für ein neues Produkt oder Projekt hat, aber keinen Geldgeber, stellt es im Internet vor und hofft, durch viele Einzelbeiträge die nötige Summe zusammenzubekommen. Eine Art virtueller Klingelbeutel also, der vor allem in Kultur und Musik oft herumgereicht wird, z.B. auf Seiten wie Kickstarter.

Auch in der Publikumsabstimmung vorn

Crowdfunding füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die durch das Aufkommen einer neuen Art des netzgestützten Investitierens entstanden ist. Es hat sich im Laufe des letzten Jahres im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Eine deutsche Alternative wie Schwarmfinanzierung wäre denkbar, hat sich aber nicht ernsthaft durchgesetzt, das Verb crowdfunden hat sich ebenfalls schon abgeleitet. Crowdfunding lag auch in der Publikumsabstimmung vorn. Einen Dudeneintrag kann ich Stand heute noch nicht verzeichnen, die Wikipedia bietet noch mehr Hintergrund zur kurzen Geschichte des Crowdfunding.

Zweiter Hipster, Dritter Fracking

In Deutschland machte mit dem Krautreporter zuletzt eine Crowdfunding-Seite für Journalisten auf, über deren Namen ich noch hätte bloggen wollen, weil sie Crowd lautmalerisch-verzweifelt mit Kraut übersetzt. Jetzt passt es hier ganz gut: Über die Assoziation Kraut und Rüben, die sich zumindest bei mir schnell eingestellt hat, hat offenbar niemand nachgedacht oder Bedenken verworfen.

Auf den zweiten Platz wählte die Jury den Hipster, eine abfällige Bezeichnung für eine urbane Jugendkultur, die sich für die kulturelle Avantgarde hält. Dritter wurde Fracking, eine Bezeichnung für ein ziemlich rüdes Verfahren zur Gas- und Ölgewinnung; ich hatte selbst noch mit der liquid democracy geliebäugelt.

7 Responses to Anglizismus des Jahres 2012: Crowdfunding
  1. […] Springe zum Inhalt HomeÜber diesen BlogÜber Kai BargmannVeranstaltungenImpressum ← Anglizismus des Jahres 2012: Crowdfunding […]

  2. Ganz frfcher wurden die Bildschirme ziiohencreentiert angesteuert (80 Spalten und 24 oder 25 Zeilen). Damals sagte man auch bbHardcopyab, weil der Bildschirminhalt offiziell nur gedruckt werden konnte. Daffcr ist ja die PrintScreen-Taste eigentlich vorgesehen. Dann gab es findige Programmierer, die den Datenstrom zum Drucker abgefangen und in eine Grafik oder sogar in eine Matrix aus Zeichen umgewandelt haben. Das war damals (in der Nadeldruckerzeit) noch relativ einfach.—Screenshot vs. Bildschirmschnappschuss: welches Wort wird sich wohl langfristig durchsetzen?a0;-)

    • @ Patricia:
      Wenn ich das Beispiel mit der Hardcopy zugrundelege, stehen die Chancen für den Bildschirmschnappschuss vielleicht doch nicht so schlecht, denn Ausdruck hat sich für Hardcopy durchgesetzt. Im Ernst: Rhythmus und Kürze sind ein wichtige Faktoren, um sich als Wort zu etablieren, und da ist der Screenshot mit seinen zwei Silben ebenso im Vorteil wie der Ausdruck resp. das Crowdfunding gegenüber der Schwarmfinanzierung.

  3. […] dem „Anglizismus des Jahres 2012“ ist das Wort „Crowdfunding“  das beliebteste „denglische“ Wort der Deutschen, dicht […]

  4. […] früher Kandidat für den nächsten Anglizismus des Jahres,  den ich auch hier im Blog verfolge. Vor allem dann, wenn Storify von nun an weiter und häufiger auf großen Newsportalen […]

  5. […] Bricht die Wahl zum Anglizismus des Jahres diese Tendenz? Zum Beispiel steht ein Wort zur Wahl, dem ich in dieser Hinsicht einiges zutraue – Selfie. Es steht für ein Selbstbildnis mit dem Smartphone.  Selfie gewann bereits die Wahl in England und wurde kürzlich in das Oxford English Dictionary aufgenommen, berichtet Welt-Online. Das Wort hat das Potential sich auch in Deutschland weit zu verbreiten – weil die Tätigkeit populär ist, weil sie für die Zeit des Ego-Pampering steht, weil es griffig ist und smart klingt. Bald wissen wir mehr – dann wird gewählt. Hier die Nominierungen, und hier der letzte Gewinner. […]


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