Mrz20

„Die Entdeckung der Langsamkeit“ hieß Mitte der Achtziger ein erfolgreicher Roman Stan Nadolnys. Heute hieße er wahrscheinlich „Die Entdeckung der Entschleunigung“ – der Titel klänge durch die Alliteration vielleicht sogar noch besser.

Aus der Hektik der ruhelosen Gegenwart . . .

Entschleunigen signalisiert vor allem eins: Das Tempo ist hoch, die Gegenwart schnelllebig, wir stöhnen unter der Last der Aufgaben, für nichts haben wir mehr Zeit. Und dann diese tiefe Sehnsucht: Wie gern würden wir kurz mal loslassen und durchatmen. Doch verlangsamen, langsamer werden oder bremsen können wir nicht mehr, verschieben, vertagen oder verzögern fallen aus, verschleppen, bummeln oder saumselig sein gar? Nein, seit ein paar Jahren geht nur noch . . .  richtig: entschleunigen. Denn das betont, wie schnell wir vorher waren, während verlangsamen u.a. uns in dieser Frage keine Auskunft geben. Diese Atemlosigkeit hat der Duden 2006 mit einem Eintrag belohnt.

. . . kommen wir sanft unter Gütern aus vergangenen Zeiten zum Stehen

Der Trend ist weiter intakt. Letztes Wochenende wurde z.B. in München ein Entschleunigungspark eröffnet. Was steckt hinter diesem glatt und futuristisch klingenden Euphemismus, der klanglich nah am Entsorgungspark ist? Es gibt dort Gebrauchtes von früher zu kaufen. Bis vor kurzem hätte der Betreiber noch Floh- oder Trödelmarkt dazu gesagt. Das reicht nicht mehr – zu anbieterorientiert. Der neue Name richtet sich an die Nachfrager, vulgo Besucher und ihr vermutetes Bedürfnis. Das ist konsequent, aber auch aseptisch. Und weil der Entsorgungspark, sprich die Müllkippe, drinsteckt, kontraproduktiv.

Entschleunigungspark: ein schickes neues Wort mit erst 3.000 Google-Treffern (Stand: 20.3.2012) – ich bin gespannt, ob sich sein Gebrauch beschleunigt.

 

 

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