Kleiner kariert oder kleinkarierter?

Wie steigert man kleinkariert: Kleiner kariert oder kleinkarierter? Keine einfache Frage, an der kürzlich zwei Gymnasiasten scheiterten.

Zum Abschluss der Pfingstfeiertage ein kleines Quiz, mit Dank an den Kinderkanal für die Inspiration. Neulich „Die beste Klasse Deutschlands 2013“ gesehen? Nein? Dafür meine achtjährige Tochter und ich. Die Fragen dort sind nicht ohne – und eine, in der 18. Folge vom 15.5., betraf eine interessante grammatische Frage: Wie steigert man das zusammengesetzte Adjektiv kleinkariert? Sie lautete so:

Leon und Tom tragen beide karierte Hemden, aber Leons Hemd ist . . .

  1. kleinkarierter
  2. kleiner kariert
  3. das kleiner kariertere
  4. das kleinst karierteste

Die beiden Jungs aus der Klasse 7d des Luisengymnasiums Hamburg taten sich schwer – und tippten auf Antwort 1: kleinkarierter. Das war falsch. Hätten Sie es gewusst? Hemden sind kleiner (oder größer) kariert. Kleinkarierter wäre richtig gewesen, hätte es sich um die übertragene Bedeutung im Sinne von pingelig, engstirnig oder kleinlich gehandelt, wie uns der Duden erklärt.

Die Steigerung zusammengesetzter Adjektive habe ich hier im Blog auch schon systematisch behandelt.

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Celebrity: Hip oder hässlich?

Anglizismus-Alarm! Viersilbige Satzsperren wie Celebrity werfen die Frage auf: Ist es noch hip oder ist es schon hässlich?

Im Moment geht es Schlag auf Schlag mit den schicken Anglizismen. Diese Woche wurde bekannt, dass sich Angelina Jolie die Brüste abnehmen ließ. Ich gebe zu, ich war . . . nein, nicht geschockt. Auch nicht schockiert. Aber ich konnte es zunächst kaum glauben.

Die Süddeutsche Zeitung machte Mittwoch mit dem Thema die Panorama-Seite auf. Mitten im Artikel, in Spalte drei, hieß es zur Bewertung von Jolies Entschluss:

Da ist also das ganze grundsätzliche Misstrauen, das man Celebrities gegenüber zu bereitwillig mitbringt.

Ich habe es schon neulich im Eintrag über den Developer gesagt: Natürlich ist das Wort nicht ganz neu. Im Gegenteil: Celebrity steht sogar schon seit 2006 im Duden. In Klatschblättern, Verzeihung: Peoplemagazinen ist es noch länger beheimatet. Es gibt eine Webseite mit dem Namen.

Gleiche Bedeutung zum Preis eines Zungenbrechers

Aber es rührt mich doch noch an, wenn Celebrity mir nichts dir nichts im Lauftext einer überregionalen Zeitung auftaucht. Es wirkt wie ein Fremdkörper, und schön ist es nicht: Vier Silben, die einem vergleichsweise schwer über die Lippen kommen. Zumal das Wort nicht notwendig ist. Stünde da Berühmtheit oder (Achtung:) Star, klänge das für mich völlig normal und bedeutungsidentisch. Was den Star von Celebrity unterscheidet: Celebrity gehört nicht unbedingt zum Grundwortschatz Englisch. Das bisherige Argument, das englische Wort sei kürzer, prägnanter und werde deshalb verwendet, zieht in diesem Fall auch nicht.

Bleibt noch die Frage nach dem Plural: Die Schreibweise Celebrities ist original englisch, Celebritys wäre die Schreibung nach deutscher Grammatik. Aber soweit sind die Berühmtheiten nach sieben Jahren wohl noch nicht. Mehr zur Pluralbildung bei Anglizismen.

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Panne: Autowerbung auf englisch

Eine aktuelle Untersuchung in der Autoindustrie zeigt: Wer englisch wirbt, möge einfach texten – sonst bleibt die Botschaft auf der Strecke.

© obs/Endmark

 

Deutsche Autobauer haben schon länger verstanden und werben in ihrem Heimatmarkt auf Deutsch – reduziert wie „Das Auto“ (VW) oder ambitioniert („Das Beste – oder nichts“, Mercedes). Importeure allerdings sind immer noch mit englischen Botschaften unterwegs. Die Kölner Agentur Endmark hat kürzlich unter 1.023 Befragten deren Verständlichkeit untersucht. Erneut muss man festhalten, dass nur sehr einfache Slogans richtig verstanden werden; Doppeldeutigkeiten, Wortspiele oder Andeutungen führen nur dazu, dass die Angesprochenen sich heillos in Übersetzungsversuchen verheddern, die nicht im Sinne des Unternehmens sein können. Beispiele:

Drive@earth (Mitsubishi) verstand kein Befragter. Die Mehrheit deutet den Claim als unvollständige E-Mail-Adresse oder als Aufforderung, besonders „bodenständig zu fahren“. Mitsubishi kam es dagegen auf „die Verbindung zwischen Autofahren und Umwelt-Themen“ an, daneben ist der Slogan „eine Referenz an die große Vielfalt unserer Erde, die es (weiter) zu entdecken gilt.“

Verteidige Deine Gebräuche

Kaum besser schnitt Defy Convention (Mazda) ab. Nur fünf Prozent der Befragten gelang es, den Slogan korrekt mit trotze Konventionen zu dechiffrieren – deutlich zu wenig, wenn Sie mich fragen. Stattdessen kam es zu Übersetzungen wie Definiere eine Versammlung oder Verteidige deine Gebräuche – das kann Mazda nicht gewollt haben, schon deshalb nicht, weil ich nicht wüsste, warum ich aus diesen Gründen ein Auto dieser Marke kaufen sollte.

Ernüchternd für Jaguar, dass How alive are you? u.a. als Wie überlebst Du? gedeutet wurde. Nur 25 Prozent der Befragten verstanden richtig Wie lebendig bist Du? Auch ein an sich nett gedachtes Wortspiel wie Enjoyneering (Seat) sollte man unterlassen. Dürre 23 Prozent entschlüsselten die Kombination aus enjoy (genießen) und engineering (Technik) richtig. Selbst eine einfache Botschaft wie The Power of Dreams (Honda) kam noch auf eine Fehlerquote von 41 Prozent. Besser machten es die Texter von Skoda. Simply Clever verstanden 81 Prozent der Befragten richtig.

Verteidige Deine Gebräuche – diesen Leitsatz sollte man sich als Texter also keinesfalls zu eigen machen. Besser wäre: Wenn englisch, dann einfach. Hier die Ergebnisse der Untersuchung, hier die Pressemitteilung der Agentur.

Ich habe schon öfter über die Missverständlichkeit englischer Slogans gebloggt. Zu den unverständlichsten gehört zum Beispiel der von Timberland. Gut bis heute ist der Adidas-Claim, den man nur versteht, wenn man vertiefte Pokerkenntnisse hat (Auflösung in den Kommentaren).

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Voll entwickelt: Der Developer

Was macht ein Developer? Und – was macht er im Deutschen?

Willkommen im Wortschatz, Developer. Du tauchtest in einem Artikel im Vermischten der Süddeutschen Zeitung auf, und damit bist Du endgültig da. In einem Artikel der letzten Wochenendausgabe (4./5.5.) über den vollendeten Freedom Tower in New York steht, dass

der Developer des Gebäudes . . . den Entwurf des Architekten für zu kostspielig . . . erachtet.

Natürlich gab es Dich schon vorher, aber nur in der Fachsprache der Informatik und der Immobilienbranche. Die ersten Einträge im Netz gehen bis ins Jahr 1996 zurück. 14.200.000 Treffer bei Google, Stand heute. Auch der Duden kennt Dich schon. Doch mit Deinem Entree auf der Panorama-Seite bist Du jetzt voll entwickelt, weil im, Verzeihung, Mainstream angekommen.

Profil des Projektentwicklers

Apropos: Man könnte Dich auch Projektentwickler nennen, aber warum sollte man? Über den Developer stolpert man wenigstens, weil man sich darunter noch weniger vorstellen kann. Im steten Bemühen um Aufklärung hier der zentrale Satz des passenden Wikipedia-Artikels zu den Aufgaben eines Projektentwicklers:

Die Projektentwicklung besteht aus der Summe aller Untersuchungen, unternehmerischen Entscheidungen, Planungen und anderen bauvorbereitenden Maßnahmen, . . .
um eines oder mehrere Grundstücke zu überbauen . . . .

Sehr schön in dem Zusammenhang ist das Facility Management, über das ich noch gar nicht gebloggt habe. Dafür über einen anderen schicken Anglizismus, den resp. das Level.

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Wie wichtig ist das Wort?

Der Trend im Netz geht zum Bild. Wird Text deshalb überflüssig?

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Zuletzt hat die ARD ihren Internetauftritt überarbeitet. Die Frankfurter Neue Presse ebenso. Und Hafenwelt, die Abschlussarbeit einer Hamburger Journalistenschule, ging ans Netz. Drei Beispiele, eine Gemeinsamkeit: Die Bilder werden größer und dominieren den Auftritt.

So lässt sich wohl allgemein sagen: Der Trend geht zum Bild. Die visuelle Attraktivität entscheidet darüber, ob jemand länger auf einer Webseite bleibt oder weiterklickt.

Wird der Text dadurch überflüssig? Ist es egal, was wir schreiben? Das ist zu kurz gedacht. Im Gegenteil:

  1. gibt nur das Wort dem Bild seine Bedeutung. Zwar erregt das Bild unsere Aufmerksamkeit, doch ohne Zeile hat ein Bild keine Bedeutung, und dann ist es bedeutungslos.
  2. Ein Bild allein sagt noch gar nichts. Es mag Interesse, Gefühle und Assoziationen auslösen, aber warum es hier und nicht woanders auftaucht, erschließt sich durch das Wort. Der Text ordnet ein Bild ein und gibt ihm Aussagekraft.
  3. Ein Bild allein sagt noch gar nichts, 2. Der Text erzählt die Geschichte. Nur zusammen entfalten sie ihre ganze Kraft.

Gerade bei großer Konkurrenz und lausigen Texten ist es wichtig, einen Kontrapunkt zu setzen und sich abzuheben. Mit den gleichen Anforderungen, die ans Bild gestellt werden: Individuell, packend, auf den Punkt. Keine Worthülsen, keine Allgemeinplätze, keine BUs als Headlines.

Hier geht’s zur letzten Headline-Hitparade.

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