Lustig und hilfreich: Das Blablameter

Die Narren sind los! In München ist Fasching, also Karneval, wie man in Köln sagt bzw. Faslam da, wo ich herkomme (Hamburg). Deshalb heute was Lustiges – mit ernstem Hintergrund: Das Blablameter.

Worum geht’s? Wenn Sie einen Text geschrieben haben, kennen Sie vielleicht dies unsichere Gefühl: Taugt er was? Überzeugt er? Klingt er, wie er soll? Oder ist noch was zu verbessern? Meistens hat man ein untrügliches Gespür, dem man trauen sollte. Solange Sie das Gefühl haben, es könnte etwas besser sein, kann wahrscheinlich etwas besser sein.

Ein Problem ist häufig, dass Texte noch zu viel Phrasen und Luft, entbehrliche Worte also, enthalten. Zentrale Frage: Wie viel Bullshit steht noch in Ihrem Text – Technokratensprech, Nominalstil, Füllwörter? An einer hohen Blähquote erkennt man meistens das, was PR-ler, Politiker, Berater und Profs so von sich geben!

Die Macher des BlablaMeters schreiben:

„Das BlaBlaMeter entlarvt schonungslos, wieviel heiße Luft sich in Texte eingeschlichen hat. Ein praktischer Helfer für alle, die mit Text zu tun haben!“

Und so geht’s:

Kopieren Sie Ihren Text in das freie Feld und testen Sie Ihren Schreibstil! Das funktioniert mit deutschen Texten bis 15.000 Zeichen Länge, der Rest wird abgeschnitten. Für ein sinnvolles Ergebnis sollte die Textprobe eine gewisse Mindestlänge haben (3-5 Sätze).

Der Test funktioniert gut. Die Texte dieses Blogs kommen auf einen Wert nahe null – „Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf ‘Bullshit’-Deutsch.“

Viel Spaß!

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Ausgezeichnet: Bronze für Inmotion

Bronze in New York: Kundenmagazin MAN inmotion

Tolle Nachrichten:

„Erfolg für MAN inmotion bei den Mercury Excellence Awards 2011/2012 in New York: Das Magazin gewinnt Bronze in der Kategorie „Custom Publications – Logistics“, schreibt mir zum Wochenende der Verlag Journal International. Weiter heißt es:

Annähernd 1.000 Magazine bewerben sich jedes Jahr um eine der begehrten internationalen Auszeichnungen, die von einer Jury aus über 100 Werbefachleuten und Kreativen aus der ganzen Welt verliehen werden. Die Einreichungen werden unter anderem danach beurteilt, wie effektiv und kreativ die Inhalte an die jeweilige Zielgruppe vermittelt werden. Aus den oberen 30% der Einreichungen werden dann die Gold-, Silber- und Bronze-Gewinner ermittelt.

Dieser Blogbetreiber dient dem Blatt als Chefredakteur. Die US-Pressemitteilung im Wortlaut hier.

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Aus ist on!

Ende einer Dienstzeit: Gelungene Ein-Wort-Überschrift (in der BILD-Zeitung)

Die Einwort-Überschrift, mit der ich unter journalistischen Gesichtspunkten oft hadere, weil sie nichts mit dem folgenden Artikel zu tun hat, sondern austauschbar und floskelhaft klingt, ist manchmal auch richtig gut – wenn sie passt.

Heute titelt zum Beispiel die BILD-Zeitung zum Rücktritt Christian Wulffs als Bundespräsident mit einem einzigen Wort (s. Bild):

Aus!

Unabhängig von der Frage, ob darin auch ein triumphaler Unterton mitschwingt, weil das Blatt über seinen Chefredakteur einer der Spieler in dem Stück war: Besser kann man nicht zusammenfassen, wenn es für jemanden über Wochen immer enger wird und er schließlich aufgibt.

Mehrwert: Nachricht plus Emotion

Neben der reinen Nachricht, die übermittelt wird, gefällt mir, wie in nur einem Wort die Erleichterung darüber zum Ausdruck kommt, dass das unwürdige Stück nun vorüber ist; mehr Botschaft pro Wort scheint kaum möglich. Sehr gut auch die Bebilderung mit Wulffs zerknirschtem Gesichtsausdruck direkt darüber – sie unterstützt perfekt die Aussage der Schlagzeile.

Ende einer Dienstzeit: Aus ist on! Was eine gute Überschrift grundsätzlich leisten soll, habe ich am Beispiel meines lokalen Anzeigenblatts erläutert.

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Groß ist klein – exklusiv bei VW!

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Groß wird klein? I don't think so.

„Klein ist groß“, verkündete VW kürzlich in einer Plakataktion für seinen neuen Kleinwagen Up. Ein Paradox ist immer lustig, weil man erstmal drüber stolpert. Klein ist also groß. Jetzt bitte eine gute Punchline, Verzeihung, Pointe. Die geht so – s. Bild:

Der neue up!

Um zu unterstreichen, wie klein das Auto ist, wurde also auch der Name klein geschrieben. Heieieih! Eigentlich werden Namen wie Substantive groß geschrieben. Warum wich man hier davon ab?

Das Plakat war auch ohne dieses Gimmick originell in der Aussage: In einer Welt voller Goliaths: Ein David! Das ist gut, da wird der Groß-klein-Gegensatz schon einmal an einem legendenbehafteten Beispiel aufgebaut, inklusive einer Anspielung auf Städte voller SUV, wenn man an Autos denkt. Die Kleinschreibung ist dann zwar konsequent, aber zuviel des Guten. So entsteht ein Beispiel für ein zu weit gedrehtes Konzept.

Probe – wie wäre das?

Der neue golf! Der neue passat! der neue scirocco!

Ich fürchte im Übrigen, den Hintersinn der Kleinschreibung nimmt man im Vorbeifahren nicht so schnell wahr.

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Wenn die Scheiße das Netz stürmt . . .

. . . wird der Anglizismus des Jahres 2011 daraus. Heute wurde Shitstorm dazu gewählt. Das verkündete eine Jury um den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, die den Begriff aus 60 Nominierungen destillierte.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit 2011: Der Shitstorm

Der Shitstorm „bezeichnet eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle der Entrüstung über das Verhalten öffentlicher Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt und häufig auch in die traditionellen Medien hinüber schwappt“, schreibt die Jury in ihrer Begründung. M.a.W. wenn die Scheiße das Netz stürmt. Zuletzt war das etwa der Fall, als sich die Drogeriemarktkette Schlecker  – noch vor der Insolvenz – despektierlich über ihre Kundschaft äußerte. Das Wort ist deutlich-derb, findet aber seine geistige Entsprechung im Deutschen im Bild der dampfenden Kacke. Warum also nicht? Auch die Publikumsabstimmung sah den Shitstorm vorn.

Auf den Plätzen: Stresstest und circeln

Zweiter wurde der Stresstest, der schon zum Wort des Jahres gewählt wurde und auch in diesem Blog schon früh Gegenstand der Erörterung war. Auf dem dritten Platz landete das Verb circeln, mit der Bedeutung jemanden im sozialen Netzwerk Google+ zu einer Kontaktliste hinzufügen.

Mein Favorit war der Haircut, weil er so zynisch ist. Er gehörte auch zu den Nominierten, wurde allerdings nicht für die Endrunde berücksichtigt. Die Begründung, dass er sich nicht durchgesetzt habe, sondern durch den Schuldenschnitt ersetzt wurde, stimmt allerdings nur so halb, denn hin und wieder sieht man ihn noch. (Es gehört allerdings zu den Kriterien des Wettbewerbs, dass der Begriff nicht durch ein deutsches Wort ersetzt werden können darf.)

Ein Trend muss nicht breit sein

Kritisch sehen muss man m.E. die relativierende Bemerkung der Jury, der Einfluss des Englischen als internationaler Verkehrssprache sei gar nicht so hoch, weil insgesamt nur 60 Begriffe nominiert wurden, von denen es nur 17 in die Endauswahl schafften. Diese Argumentation übersieht, dass immer nur einige wenige Worte in Mode sind. Oder anders gefragt: Wie breit muss ein Trend sein?

Der Anglizismus des Jahres wird 2011 zum zweiten Mal verliehen. 2010 gewann leaken als Bezeichnung für das gezielte anonyme Veröffentlichen geheimer Informationen zum Wohle der Öffentlichkeit. Zur Begründung schrieb die Jury dies. Der Klick lohnt, die Begründung ist aufschlussreich, die nominierten Worte samt Gewinner schick in eine Grafik gegossen.

Trotz meiner Kritik geht von hier aus ein Dank an Herrn Stefanowitsch für die Durchführung der Wahl; mit ihrer Transparenz und ihren klar definierten Kriterien lässt sich vergleichsweise verlässlich ein Überblick darüber gewinnen, was im zurückliegenden Jahr an Neuem aus dem Englischen ins Deutsche eingesickert ist.

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