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21Mai 2016

Warum sich starke Verben gegenüber schwachen empfehlen – und es trotzdem oft andersherum gemacht wird.

Tagesschau-Sprecherin Rakers: „. . .steht im Verdacht, Krebs zu erregen.“ (Screenshot)

Tagesschau-Sprecherin Rakers: „. . .steht im Verdacht, Krebs zu erregen.“ (Bildschirmfoto)

Donnerstag Abend ein Freudenmoment im Haus. Sprecherin Judith Rakers liest in der Tagesschau im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat den Halbsatz vor, die Chemikalie stehe im Verdacht, Krebs zu erregen. Falls Ihnen daran nichts auffällt: Sie hätte auch lesen können, krebserregend zu sein. Das wäre die deutlich häufigere Formulierung gewesen. Aber auch die schwächere. Warum? Weil das Verb den Satz trägt, es ist sein Rückgrat. In dieser Kategorie schlägt erregen das passive sein um Längen.

(Dies abgesehen von der ästhetischen Frage, dass die -nd-Form (Partizip Präsens, wie der Fachmann spricht) alles andere als schön ist. Denken Sie hier an die brillante Unbeholfenheit einer Formulierung wie der zu Fuß Gehende, der seit 2013 statt des Fußgängers in der Straßenverkehrsordnung sein Unwesen treibt.)

Trotzdem sind die starken Verben im aktuellen Sprachgebrauch geschwächt, denn das sein greift um sich. Ein paar Beispiele, von denen ich sicher bin, dass Sie sie auch schon benutzt haben, ohne weiter darüber nachzudenken (ich auch).

formatfüllend – füllt das Format
alleinerziehend – erzieht allein
kraftraubend – raubt Kraft
zielführend – führt zum Ziel

Entlarvende Kraft

Mag sein, dass eine Formulierung wie „füllt das Format“ ungebräuchlich klingt; andererseits zeigt „es führt zum Ziel“, wie sehr wir uns in Phrasen ausdrücken. „Die Diskussion führt nicht zum Ziel“ entlarvt die autoritative Dümmlichkeit und distanzierte Kühle der Aussage „Die Diskussion ist nicht zielführend“. Dann doch lieber „So kommen wir nicht nicht weiter.“ Denn dies will hoffentlich Ziel von Kommunikation sein: Sich möglichst sinnvoll und inhaltsstark auszudrücken. Und eine Prise Eleganz schadet, gerade bei den Schreibern, auch nicht.

Selbst bei Worten, die schon stark adjektivischen Charakter erworben haben, lohnt sich, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen, um die eigentliche Kraft in ihnen hervorzubringen. Wenn man z.B. „das ist naheliegend“  in „das liegt nahe“ umformt, zeigt sich eine gewisse Dynamik, die dem Naheliegenden innewohnt. Daher mein Rat für alle Sprecher und Schreiber, Sätze um möglichst starke Verben zu bauen.

Wie häufig das Phänomen der schwachen -nd-Formen bereits verwendet wird, habe ich in einem früheren Beitrag an weiteren Beispielen dokumentiert und erklärt.

07Mai 2016

Über unnötiges Bedauern, falsche Freundlichkeit und übertriebene Psychologisierung kreativer Prozesse.

„Lieber Herr Bargmann, vielen Dank für . . .. Leider gefällt uns . . .  noch nicht.“ Solche Mails gehören zum Alltag, ich erhalte sie immer wieder mal. Auf diesem Weg teilen mir Kunden ihre Unzufriedenheit mit, zum Beispiel wenn Texte noch nicht ihren Vorstellungen entsprechen und verbessert werden müssen. Sie sind wahrscheinlich einfach nur nett gemeint, in freundlicher Absicht geschrieben. Und trotzdem stört mich etwas daran. Es ist dieses vermaledeite „leider“.

Wofür entschuldigt sich der Kunde? Dass er glaubt, mir mit der zusätzlichen Arbeit Unannehmlichkeiten zu bereiten? Was genau bedauert er? Seine Ablehnung? Das Zwangsläufige, das damit gemildert werden soll? Wegen der hohen Ansprüche, die darin unausgesprochen zum Ausdruck kommen?  Und denen ich nicht gerecht werden konnte und anscheinend nicht kann, wie man weiter folgern könnte? Meint er, dadurch eine stille Anklage erhoben zu haben (Versagen, Unfähigkeit meinerseits) und diesen Spalt kaschieren zu müssen? Tut sich gähnend eine Kluft zwischen uns auf, in die er mich stürzt? Fast scheint es so.

Im Grunde ist doch gar nichts dabei. Ich arbeite an einem Auftrag, ein Entwurf kommt nicht an, ich optimiere oder mache ganz neu.  Jede kreative Aufgabe ist ein mehrstufiger Prozess, in dem neben handwerklichen Grundsätzen Geschmacksfragen, unterschiedliche Ideen und Vorstellungen und damit abweichende, vielleicht sogar konträre Meinungen unvermeidlich sind. Die Kunst besteht darin, die Bestandteile bestmöglich unter einen Hut zu kriegen – den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Und dann das Beste draus zu machen.

Für mich ist es ein ganz und gar gewöhnlicher Vorgang: Der Kunde und ich stehen in einer Geschäftsbeziehung. Er hat mich mit etwas beauftragt, dass ich als Dienstleister erstelle. Fehler und Fehlversuche sind Teil des Prozesses. Da gibt es nichts zu bedauern und zu entschuldigen. Man muss sich auch für nichts schämen, erst recht nicht, wenn man die Rechnung zahlt. Kritik aufzunehmen ist selbstverständlicher Teil meiner Dienstleistung. Mein Job ist, den Kunden glücklich zu machen. Da wird etwas größer gemacht als es ist oder sein müsste oder sollte. Aber warum?

Die Zwänge von Konsens und Toleranz

Ich glaube, die Kunden sehen das im Grunde ganz genauso. Doch wir leben im Zeitalter des kollektiven Konsenses, und da fällt Ablehnung schwer, weil sie den Abgelehnten ausgrenzt. Außerdem kommunizieren wir alle „auf Augenhöhe“, wie man so sagt. Das bedeutet: „Ober sticht unter“ gilt nicht mehr, formale Autorität, hier die des Auftraggebers, ist gefühlt futsch. (Faktisch existiert sie schon, denn wer zahlt, schafft an.) Und dann die Toleranz. Ist man nicht kleinlich und spießig, wenn man auf Änderungen in Texten drängt? Ob nun so oder anders – ist es nicht gleichgültig? Wollen wir nicht alle im Grunde dasgleiche? Schließlich die Würde: Wie Kritik formulieren, damit der andere es nicht persönlich nimmt und sich beleidigt fühlt? Daher versucht man ausgesucht freundlich, höflich und zuvorkommend zu sein. Das geschieht dann, wenn Sie mich fragen, um den Preis des Aufgesetzten, Unechten und vor allem Durchschaubaren. Der Schleier ist dünn, ich erkenne die Absicht. Was bringt es dann?

Das wäre die freundliche Variante. Doch es gibt auch eine weitergehende, feindseligere Interpretation. In ihr ist leidern  geheuchelt, scheinheilig, vielleicht sogar verlogen. Da will jemand nur bekommen, was er will, traut es sich aber nicht direkt zu sagen (aus oben genannten Gründen), und dabei ist ihm jedes Mittel recht, auch das falscher Freundlichkeit. Manche, befürchte ich, machen sich dieses Instrument subtil, aber konsequent zunutze und leidern absichtlich. Der Zweck: Sie versuchen darunter Unverfrorenheit, Perfektionismus oder sadistische Tendenzen zu kaschieren.

Wir kennen das Prinzip, dass der Kunde oft nicht weiß, was er will, und erst nach ein paar Entwürfen eine Vorstellung davon hat, wohin es gehen soll. Und dann geht es weiter und weiter, der Bogen ist längst überspannt, und doch muss der Dienstleister noch mal ran, in die 7. oder 9. Korrekturschleife, solange bis es perfekt ist. Da soll das Leidern dann Anteilnahme vorspiegeln, die in Wahrheit gar nicht da ist. Hauptsache, man kriegt, was man will. Die Frage, ob das gestaltungsökonomisch sinnvoll ist und sich das Ergebnis noch verbessert, wird hintenangestellt.

Damit wir uns richtig verstehen. Ich wünsche mir weder herablassende Belehrungen noch persönliche Herabsetzungen , keine Standpauken oder Wutausbrüche, Gezeter oder gar Unflätigkeiten. Höflichkeit und gute Umgangsformen sind für mich Teil des professionellen Selbstverständnisses.

Ich würde vorschlagen, zur Tagesordnung zurückzukehren. Sagt einfach, wenn Euch was nicht passt. Versteh ich, muss man keinen Tanz drum machen. Kritisieren wir offen, sachlich und möglichst objektiv, vermeiden wir Emotionalisierung. Leider mich nicht, sondern sag, wo der Schuh drückt. Du darfst. Solange Du pünktlich zahlst. :-)

Dass ich über eine Frage zur internen Kommunikation blogge, ist selten. Zuletzt hatte ich den erfreulichen Abschluss eines Online-Projektes zu vermelden.

28Apr 2016
smart!-online-Giesecke-Devrient

smart!-Startseite (Screenshot): Hätten Sie WordPress erkannt?

Seit 20.4. ist die erste Ausgabe dieses Jahres von smart! online. Inhaltlich ist sie – abgesehen von einigen Multimedia-Elementen – zwar weitgehend identisch mit der aktuellen Printausgabe, doch es gab eine wichtige Veränderung. Smart! ist kein SmartMag ohne CMS mehr, sondern erscheint nun (wie auch dieses Blog) voll responsiv mit WordPress.

Vorteile für Kunden und User

Das ermöglicht nicht nur einen schöneren Look, sondern auch einen effizienteren Ablauf, flexiblere Gestaltung, variablere Befüllung und mehr Chancen für’s Ranking – letztlich also einen höheren Nutzen für den Herausgeber, das Münchner Unternehmen Giesecke & Devrient, das Sie vielleicht als Geldnotendrucken kennen, das aber auch über eine Digital-Sparte für Sicherheitssysteme in der mobilen Kommunikation verfügt.

Doch nicht nur der Kunde profitiert von der Umstellung. Für den User wurde die Navigation vertrauter, weil sie gewohnten Standards entspricht, und die Präsentation des Inhalts attraktiver.

Bisherige und zukünftige Aufgabenstellung

Ich habe im Auftrag von Journal International als Managing Editor die Redaktion der international und auf Englisch erscheinenden Print-Ausgabe übernommen und die Online-Entwicklung in ihren einzelnen Schritten mit dem Kunden abgestimmt. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir daran arbeiten, den Workflow zu optimieren. Ziel ist es, smart! zu einem Content Hub mit relevanten Beiträgen zu den Themen eSIM, Connected Cars und Digital Payment zu entwickeln.

Falls Sie nochmal vergleichen wollen: Als eMag sah smart! bislang so aus.